Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 370)
- Language
- German
- Belongs to
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848 Die israelitische Erziehungsanstalt der zweiten Klaffe überraschte mich das schöne, geläufige und korrekte Diktandoschreiben der noch ganz jungen Mädchen; in der dritten werden nebst den vorgeschriebenen Gegenständen auch die Kunde und Geschichte des Heimatslandes Böhmen mit besonderem Fleiße und großen Fortschritten von Seite der Kinder betrieben; in der vierten überdieß auch allgemeine Geographie und Geschichte, und namentlich erstere auf recht erfreuliche Weise. Alle Kinder werden im Böhmischen wie im Deutschen geübt, einige auch zum Französischen angeleitet. Auch soll für die oberste Klaffe noch einige Vorbereitung für das merkantilische und technische Fach hinzutreten. Auch in der Musik (Gesang, Piano, Violin) wird Unterricht ertheilt, wie denn ein besonderer gymnastischer Apparat (späterhin auch eine Schwimmschule) und selbst einige Tanzstunden auf Biegsamkeit und gefällige Gewandheit des Körpers abzielen. Endlich werden die Mädchen von einer eigens dazu angestellten Lehrerin zu allen weiblichen Arbeiten angeleitet, und verfertigen bereits verschiedene recht hübsche Gegenstände, die zum Besten der Anstalt verkauft werden. Die Lehrer erschienen mir befähigt, und vom besten Willen beseelt. Der schon erwähnte Dr. Grünhut mit der Oberleitung des Pensionats betraut, hatte seine Stellung als praktischer Arzt zu Wotitz aufgegeben, und von Herrn M. für das Unternehmen gewonnen, widmete er sich demselben mit Beruf und Liebe, trefflich hiebei von seiner Gattin unterstützt. Nachdem ich dem Unterrichte durch mehrere Stunden beigewohnt hatte, war es Essenszeit geworden; ich hatte demnach auch Gelegenheit einen Eindruck von der Anstalt nicht bloß als Schule, sondern auch als Erziehungsanstalt zu erhalten. Dieser war wo möglich ein noch freundlicherer. Was mir besonders angenehm auffiel, war das sichtbar hervortretende Band der Liebe und Anhänglichkeit zwischen Lehrern und Kindern. Die Tische, an welchen beiläufig hundert Kinder saßen, waren in Gestalt eines rechten Winkels gestellt, und die eine Seite von den Mädchen, die andere von den Knaben besetzt. Eingeleitet wurde die Mahlzeit durch ein kurzes Tischgebet, von einem Knaben in deutscher