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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1846-01-01 · 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846) · p. Seite 325

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 325 (sequence 348)
Language
German
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IRI
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Vorbemerkung. 325 l exikalischen und historischen Vorarbeiten noch sehr im Argen lagen. Die Verdienste der Exegeten in dieser Rücksicht in Abrede zu stellen, vermag nur derjenige, welcher nicht einsehen gelernt, daß man pflügen und aussäen muß, wenn man sich der Frucht erfreuen will. Aber allerdings wäre es jetzt wieder an der Reihe, nachdem das Materielle der Poesien bereits vielfach angebauet, auch den inneren, geistigen Elementen mehr Sorgfalt zukommen zu lassen. So hatten auch mehrere gründliche Forscher der Neuzeit gefunden, daß durch Sptitterrichterei das Aesthetische in den Hintergrund gestellt, und durch die in die Uebersetzung hinein getragene, dürre trockene Behandlung jede dichterische Blüthe abgestreist werde. Zuweiten gewinnen oft die phantasmagorischen Gestalten in dem Dänunerscheine einer matten Ampel mehr an Innigkeit und Jdealisirung, als wir bei allzuheller Beleuchtung für den Verlust der Illusion und des künstlerischen Genußes an Verständniß entschädigt werden. Ewald und mehrere Andere suchen daher die beiden Momente des Linguistischen und Künstlerischen dadurch zu vereinbaren, daß sie statt der gewöhnlichen prosaisch-eine metrisch-verbale so viel als möglich dem Rythmus des Hebräischen sich nähernde Uebersetzung ihrem Kommentare beifügen. Allein auch hierbei ist wenig für die Frische und Lebendigkeit, welche eine Befreundung des nicht theologischen Publikums mit der so sehr entfremdeten Bibel bewirken sollten, gethan. Die vollendete Form ist freilich eine schätzbare Beigabe, wenn nur die Kraft und Herrlichkeit der Gedanken nicht darunter leiden. Aber wie der Rythmus allein noch nicht Poesie ist, und die künstlich gebauere Strophe, so sehr sie das Ohr ergötzt, kein wahrhaft dichterisch Erzeugniß genannt werden kann; wenn ihr der würdige Inhalt und die ideale Auffassung abgehen; so ist das Poem auch nur dann treu , obwohl nicht wörtlich übersetzt, wenn wir das, was der Dichter fühlte so wiedergeben, wie wir es bei gleicher Empfindung in unserer Sprache ausgedrückt hätten. Dabei brauchen wir dem alten Dichter nicht etwa moderne Reflexionen zu unterschieben; sondern nur seinem Gedanken unfern Wortreichthum zu borgen. Wir dürfen kein Bild, keine Rüance hinzugeben, die sich nicht aus dem Texte rechtfertigen lassen; aber wir sollen uns an Einem Worte, an Einem Fingerzeige des Originals genügen lassen, um den oft bloß durch eine Wendung, ein Wort, eine Satzstellung für die damals lebende Sprache vielleicht hinlänglich angedeuteten Gedanken dem Geiste der Sprache zu lieb, in die man übersetzt, zu erweitern und auszudehnen. Kurz wir können treu übersetzen ohne wörtlich und sklavisch an den Text zu halten, indem wir nicht den Schüler vor Augen haben, der ängstlich aus der Version sich Rath erholt, wenn es mit dem Original nicht gehet. — Ebenso ist es mit dem Metrum, das wir je nach dem Inhalte variren lassen, und es dem Gedanken anzupaffen suchen, und nicht den ohnehin Problematischen Rythmus des Hebräischen zur Richtschnur nehmen. Doch

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