Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 289)
- Language
- German
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266 Judenthum und Hause sagen zu lassen. Es wurde drei, vier Uhr, es war schon die Zeit des Abendgebetes, D avi d kam nicht in die Synagoge, der alte K aiman, der dort war, versicherte, ihn mit keinem Auge gesehen zu haben; Samuel ward nun bedenklich. Doch er erwartete noch, daß David Abend gewiß kommen müsse, da das Purimfest mit der Verlesung des Buches Esther eröffnet wird, deren Verabsäumung eine gräuliche Ketzerei gewesen wäre. Samuel hätte zwar gleich nachforschen mögen, allein er ging am Sabbat nicht aus dem Hause; es wäre denn in die Synagoge. — Die Sonne war indeß völlig untergegangen, die Gemeinde wallte in Schaaren nach dem Gotteshause. Der Vorbeter, um den ruhigen Zwischenakt, welchen der nach der Schlacht von Grochow für die Polen so vortheilhafte Waffenstillstand herbeigesührt, zu benützen, um die Purim-Feier abzuhalten, (welche um so weniger auffallend war, als sich alle Einwohner der Freude hingegeben hatten), entfaltete die Pergamentrolle (Megillah) und sprach den Segen bei Heller Fackelbeleuchtung, worauf er das Buch Esther verlas. Mit Jauchzen stimmte die Gemeinde im Chore ein, wenn Mordech a i s des Volksretters Name verlesen ward, dafür wurde der boshafte H aman mit Gepolter und Lärmen begrüßt, auf Bänken und Stühlen wurde gehämmert und gepocht, um den Schall des verhaßten Namens zu übertäuben. Sein Andenken sollte vertilgt werden. Dieses Bestreben trägt natürlich, wie bei dem unsterblichen Mordbrenner des Diana-Tempels, Herostrat, nur dazu bei, den Namen tiefer ins Gedächtniß zu prägen. Besonders hatte die liebe Jugend eine aparte Freude an dem armen H a m a n; denn während siesich bei MordechaisPreis stille verhalten mußte, konnte siebeiHamans Erwähnung ihre Kunststückeproducireu, und noch dabei Gelegenheit nehmen sich einmal gründlich unter einander durchzuprügeln. Alles war voller Freuden und Jubel. Nur Samuel sah traurig und bekümmert darein —denn ach! David war auch nicht zur Megillah gekommen, zwar unterließ es der Alte nicht, dem H a m a n noch einige Püffe in die Ewigkeit nachzusenden, aber sein Herz wußte nichts von