Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 288)
- Language
- German
- Belongs to
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Romantik. 265 V. Es war am andern Morgen, da begaben sich Vater und Sohn in die Synagoge, um dem Gottesdienste beizuwohnen. Zwischen Beiden war jenes Thema nicht mehr zur Sprache gekommen. Nach Beendigung des Gebetes neigte David sein Haupt hin und bat um den gewohnten Segen. Dann küßte er des Vaters Hand. — Eine brennende Thräne fiel darauf. Was hast du denn? Du bist bewegt mein Sohn? sprach der Vater. Es ist nichts. Ich weine vor Freuden, daß Ihr mit Eurem widerspänstigen Sohne so viel Nachsicht habt, mir den Segen nicht zu verweigern. Du sollst in mir mehr den altern Freund als den strengen Vater sehen; aber warum fällt dir heute gerade der Segen auf? Ich dachte, Ihr zürnt mir noch von gestern! O, vergebt mir, ich konnte nicht anders. — Nu! Nu! Die Sache ist ja schon abgemacht. Was willst du mehr? Du heirathest die Sara, nicht wahr? Du wirst mir dann erst meine Liebe danken. — Mein Vater! — Kein Wort mehr davon! — Horch, welch ein Tumult ist wieder auf dem Markte. Sieh zu, was es gibt? David ging hinaus. Der Vater harrte eine halbe Stunde, David kam nicht wieder. Die Jugend muß Alles mit ansehen. — Er wird sich in eine Standarte vergafft haben, beschwichtigte sich der Alte, und ging unbekümmert nach Hause. Jnveß verlief eine volle Stunde, David — kam nicht. Die Mutter fing an zu sorgen, Samuel tröstete sie. Es schlug Eilf — Zwölf, — es war Mittag, er kam nicht. Die Mutter wollte eine böse Ahnung haben, Samuel meinte, der alte Kaiman, der 'auf dem Markte wohnt, werde ihn zu Tische geladen haben: es sei nur unartig von David, es nicht nach 12