Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 283)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2609281-3184084--1391-3185502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 Judenthum und „Dem Poststempel nach ist er aus Wilna, und ander Aufschrift erkenneich Nachman Trauma ns Hand." „Ei, ei, ist der jetzt in Wilna? Pilgert doch dieser Mensch rastlos von Gemeinde zu Gemeinde! Nu, der wird wohl keinen Geschäftsbrief schreiben. Wir wollen ihn nach Kidusch (Sabbathsegen) lesen." „Werweiß! versetzte David, sein Gewerbe ist der elendste Schacher, den ich kenne." „Man muß keinen Stand verachten. Traum an hat auch schon manches Gute gestiftet." Sie waren nun zu Hause angelangt, wo Alles im Schimmer einer Ampel glänzte. Hann a, die Hausmutter, prangte m ihrer glänzenden Sternbinde, einer Art Perlenbouguet mit funkelnden Diamanten, auf der schneeweißen, mit Spitzen versehenen Perlenkrone, und empfing in der starkgeheizten Sabbathstube mit heiterer Miene den Alten, der mit einem freundlichen „guten Sabbath" eintrat, und ein althebräisches Lied anstimmte, um die Engel des Friedens zu begrüßen, die unstchtbaren, himmlischen Wesen, die von Gott gesandt, um die Feier und Freude des Ruhetages zu erhöhen, und die Schwingen der Seele zu lösen, die, die ganze Woche gehemmt, nur am Sabbath ihren Geisterfittig entfaltet. Dann legte der Greis seine Hand auf das Haupt des Sohnes, um ihn zu segnen, worauf jenem der Kelch des Weines zum Sabbathspruche dargereicht wurde. Er ließ sich nach dieser Zeremonie seinen behaglichen Schlafrock reichen, und legte die schwere Zobelmütze ab, unter der er ein kleines schwarzes Käppchen trug; dann winkte er dem christlichen Dienstbothen, das Siegel des besprochenen Schreibens zu lösen, und entfaltete den Brief, der Nachstehendes in hebräischer Sprache, von uns getreu in's Deutsche übertragen, enthielt: „Mit Hülfe des Herrn, hier Wilna, den 22. Schebat 5591. Frieden der Krone der Alten, der Zierde Israels, dem Rei chen, Vornehmen, Angenehmen, Ehrwürdigen, durchaus Voll-- kommenen, dem edlen Greise, Herrn Samuel Hildsheim! Sintemal ich mich der Gebote des Herrn befleißige, habe ich immer die Stelle der Schrift vor Augen: Wer ein bieder Weib