Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 282)
- Language
- German
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Romantik 259 Um vier Uhr Nachmittags hatte man den verwundeten Cl) lopitzky in die Stadt gebracht, und mit ihm kamen Depeschen an die Behörden, und andere auf der verspäteten Post zurückgebliebene Briefe an Privatpersonen. Altes rannte mit gespannter Erwartung den Postboten entgegen, die ihre Hände volt zu thun hatten, um nur die Trinkgelder in Empfang zu nehmen. Dort weinte eine Mutter vor Freuden, hier eine Braut vor Schmerz; da dankte eine Schwester dem Himmel, der ihre Bitte erhört, dort rang eine Gattin in Verzweiflung, denn die letzte Hoffnung war geschwunden. Keiner hatte einen gleichgültigen Brief empfangen — so auch Samuel Hildsheim nicht, dem der Postillion sein Schreiben etwas spät überbrachte, als er schon dem Sabbat, der Himmelsbraut nach den jüdischen Poesien, entgegensehend,nicht mehr den Brief öffnen wollte, weil er leicht eine Geschäftsangelegenheit enthalten, und in ihm Werktagsgedanken erwecken könnte. Der Tag neigte sich seinem Ende zu, und wiederum schwärmten die Einwohner Warschaus durch alle Straßen, Ecken und Plätze, aber nicht mehr in jener Ruhe und Stille — es war wie das Getöse des Meeres, wenn der Sturm verbraust, und in seinen Nachwehen die Brandung an's Gestade schlägt. Wiederum sank das blaffe Gestirn des Tages nieder, besiegt vom Herrscher der Nacht, und nahm seinen blutigen Abschied vom Graus dieser Hemissphäre. Wiederum kehrten David und Samuel durch die enge Gasse aus dem Gotteshause heim, aber sie waren festlicher gekleidet. Die atlassenen Nadschiwulki rauschten wie Flitter, und auf ihrem schwarzen Spiegel glänzte der Sterne Schimmer, all die Stelle der Stiefel traten Schuhe, und das Antlitz des edlen Greises strahlte die Sabbathfeier seines Gemüthes aus. Auch David hatte eine bessere Kleidung angelegt, aber schweigsamer und düsterer noch als gestern, ging er neben dem Vater her, bis dieser wieder die Stille zuerst unterbrach. „Weißt Du etwa, woher heute der Brief kam, den wir am späten Abend erhalten? Deine Mutter hatte schon das Lämpchen angezündet, und den Sabbat für begorrnen erklärt, ich mochte daher jenen nicht mehr lesend'