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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1846-01-01 · 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846) · p. Seite 258

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 258 (sequence 281)
Language
German
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258 Judenthum und der mit vollen Sicheln seine Leichenernte hielt. Mit lebhaftem Geberdenspiele begleitete er jede seiner Bewegungen. Jetzt war jener umringt von Feinden, der Eine hatte schon den Säbel geschwungen—ein Augenblick noch, und der treue Diktator war verloren. — Da verschwammen dem armen David alle Bilder in blutige Wolken, die ihn umnebelten; jetzt sah und hörte er nichts mehr als das Kampfgewühl und das Toben der Schlacht — jetzt war es ihm einzig um Chlopitzky zu 1hun— und — „jetzt gilt's Muth Polen! Hinein! Befreiet den Diktator!" — er hebt den kräftigen Arm— „nieder mit den Moskowitern!" ruft er — und gab — einem ehrlichen Bürgersmanne, der daneben stand, einen tüchtigen Puff, daß er zu Boden sank. Nun lief Alles herbei; man glaubte ein Verräther habe sich eingeschlichen. David wachte aus seinen Träumen auf, wurde um die Ursache seines Austrittes befragt, und war froh, dadurch los zu kommen, daß ihn zwei der anwesenden Israeliten, um den Sohn des Nagid vom Gefängnisse zu befreien, für verrückt ausgaben, und nach Hause führten. Jndeß nahm die Schlacht ihren Verlauf. Anfangs schien das Kriegsglück den Polen unhold zu sein, denn sie mußten das mit so schweren Opfern errungene Erlenwäldchen verlassen. Chlopitzky war schwer verwundet aus der Schlacht weggetragen; der rathlose Rad zivil ließ den Rückzug kommandiren, — und schon dehnten sich die russischen Kolonnen über die polnische Liniehinaus, und drohetensie von Warschau abzuschneiden, — als die Vorstadt Praga, von den Polen selbst in Brand gesteckt, eine gräßliche Leichenfackel der Helven, die hier gefallen, hoch aufloderte, und den Graus und die Verwüstung beleuchtete, die Wuth und Verzweiflung hier angerichtet. Skrzynecki fiel jetzt der verwirrten, feindlichen Kavallerie in die Flanken, und hatte sie bald zum Sinken gebracht. Hierauf gesellte sich auch Krukowiecki dazu, und die Polen standen in imposanter Stellung unter den Kanonen Praga's. Die Russen wagten keinen Angriff weiter, und die Schlacht bei Grochow, die so verheißungsvoll begann, endete unentschieden für beide Nationen — so viel Blut auch beiderseits geflossen war.

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