Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 280)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2609281-3184084--1388-3185499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Romantik 257 sturme daherbrauste. Finster blickte der Himmel darein, die Sonne hatte sich mit dichtem Gewölke umgeben, um das gräßliche Blutbad, das hier angerichtet werden sollte, nicht zu bescheinen. Ein dichter Nebel lagerte auf dem Erlenwalde bei Grochow, als wollte die Natur das Leichentuch den Helden vorbreiten, die hier das Ziel ihrer Laufbahn finden sollten. Die nackten Erlen streckten warnend ihre Zweige den Nationen entgegen, die kampfgerüstet einander den Mordstahl entgegentrugen. Die Schlachten von Dobre und Wawre sollten nur kleine Vorspiele gegen dieses schauderhafte Drama gewesen sein, denn es war nicht ein Kampf der Miethlinge und Söldlinge, es war ein Ringen der Verzweiflung mit der Nebermacht, ein Kampf um Sein und Nichtsein, wo es den Ruhm, die Unsterblichkeit der Einen, und die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der andern Nation galt. Die Einwohner Warschaus hatten sich auf die Wälle begeben, wo man deutlich die Bewegungen der Heere, ja manche kühne That einzelner Tupfern sehen konnte. Drüben donnerten die Geschütze, und fanden einen schmerzlichen Nachhall in der beklommenen Brust so mancher Mutter, Schwester, Braut, die den Liebling ihres Herzens, oder den treuesten Gefährten ihrer Jugend, oder den auserkorenen Heißgeliebten am Rande des -Abgrundes oder vor dem gähnenden Schlunde der Kanonen fechten sahen. Auch David hatte sich auf den Wall begeben, um seinen Eltern über den Ausgang der Schlacht zu berichten. Er drängte sich durch die Menge, um eine freiere Aussicht zu gewinnen; und als er dann festen Fnß gefaßt, und in das Getümmel der Schlacht hinausgesehen, — da war es ihm, als wenn die Bilder seiner Phantasie ihm vor die Sinne träten; er wähnte, die fata morgana aus den grauen Wellen der Erinnerung emporsteigen zu sehen. Er sah nur die fallenden Paniere, hörte nur das Wirbeln der Kriegsmusik, die ihn umschwirrte, die stampfenden, kampfschnaubenden Rosse, das Klirren der blitzenden Waffen, und ihm schwollen die Adern, es füllte das Herz sich mit Muth, es dehnten sich die Muskeln, und alle Sehnen waren gespannt. Unwillkührlich ballte er die Faust zum Kampfe— da sah er den edlen Chlopitzkp im mörderischen Gemetzel,