Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1846-01-01 · 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846) · p. Seite 249

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 249 (sequence 272)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2609281-3184084--1380-3185491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Romantik 249 die Antwort anders aus, und sagte: Nu, mt, zwölf Stunden sind ja keine Ewigkeit! Brauchst darum nicht zu seufzen, ein Diertelstündchen hältst du's noch aus, und länger kanns nimmer währen. Während dieser Rede hatte sich der Jüngling schnell gesammelt, und da er nun erst merkte, wovon die Rede war, sagte er kurz darauf: Jetzt sehe ich die drei Lichter der Erlösung schimmern: Ihr könnt getrost Euren Imbiß einnehmen" — Es war nämlich am kommenden Sonntage das Purimfest, dem bekanntlich ein Fasten unmittelbar vorangeht, welches jedoch wegen des intervenirenden Sabbathes, dessen Feier durch keine traurige Erinnerung getrübt werden darf, auf Donnersstag, jenen oben bezeichneten Tag vor der Schlacht, zurückverlegt wurde. Daher hatten die beiden Männer weder Speise noch Trank zu sich genommen, ehe drei Sterne sich am Horizonte zeigten, nach deren Sichtbarwerdung sich erst die Nacht, der rabbinischen Lehre gemäß, bekundet. „Wie doch Alles Gewohnheit ist!" nahm der Alte wieder das Wort: „Es will mir gar nicht in den Sinn, daß heute Esther-Fasttag ist, weil ihm nicht unmittelbar der jubelnde Purim folgt." Mir kommt der ganze Fasttag sehr lächerltch vor, sagte David. Bei uns Juden nimmt das ewige Geheul und Gewinsel kein Ende; bald weinen wir , weil unsere Vorfahren gelitten, bald weil sie hätten leiden können. Da muß ich das Bischen Tremer meiner feigen Ahnen ausschwitzen, und um ja das liebe Gejammer nicht zu verlieren, muß statt des Sabbaths ein anderer Tag herhalten. Uns wird mm einmal der Kelch des Genusses nicht gereicht, es wäre denn wenigstens der Rand mit Wermuth bestrichen, und wo wir zum festlichen Gelage uns begeben, da glauben wir, uns erst mit Trauerweiden bekränzen zu müssen/' „Juckt dich heute wieder deine freigeisterische Laune, daß m über eine harmlose Ceremonie so herfällst. Siehe, ich könnte dir sogar einen schönen erhabenen Gedanken darin zeigen, der gar in vielen unserer Lehren und Gebräuche ausgesprochen ist. Die trostreiche Lehre, die von der Schöpfung sich herschreibt, daß dem Schoße der Finsterniß sich erst das Licht entwand.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.