Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 271)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2609281-3184084--1379-3185490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
248 Judenthum und che, wenn sie schon an sich Das Gepräge orientalischer Gravität und Ruhe, und in den gegürteten Lenden den Ausdruck der Kraft und Entschlossenheit trägt, ganz besonders diesem Manne mit seinem hohen kräftigen Körperbaue, heräbwallenden Silberbarte und ausdrucksvollem, vom letzen Dämmerscheine beleuchteten Profile, eine Art patriarchalischer Würde, und imperatorischen Ansehens gaben. Der Andere, ein kräftiger Jüngling, hatte seiner Tracht, die der des Alten sonst gleich war, doch schon einen mehr abendländischen Anstrich gegeben. Sein Ueberrock schloß sich enger an den schlanken Leib, und schlug, unten zugestutzt, die wohlgenährte Wade, der breite Gurt war in eine schmale Schnur zusammengeschrumpst, sein rabenschwarzes Haar war in zierliche Locken gedreht, und sein Antlitz von einem breit gekrempten Hut (Kapalisch) umschattet. Man möchte sagen, der Zeitgeist habe hier Spanne für Spanne den Rock gekürzt, und die Metamorphose war der Uebergang aus dem goldenen in das silberne Zeitalter. Aus der Nacht seiner feurigen schwarzen Augen blitzte es zuweilen wie in purpurner Finsterniß auf, und seine ganze Haltung, so linkisch und affeetirt sie auch war, trug doch das Gepräge aufstrebender Jugendkräfte, so wie sein Gesicht männlichen Stolz und Entschiedenheit verrieth. Beide gingen schweigend neben einander her, sichtbar aufgeregt und angegriffen. Der Alte sah init besorgter und bedenklicher Miene darein, der Jüngling schien mehr in Trauer versunken und jenen Träumen nachzuhängen, die wie Dunstgebilde stets aus dem Blüthenkelche der jugendlichen Phantasie empor wirbeln. Jetzt hob er das Haupt und blickte gegen Himmel. Es war ein Blick, wie er, nach Cicero, ein Vorzug des Menschen ist, den wir im Sturme unserer Seele, dem Schiffer auf wildempörtem Meere ähnlich, gleichsam instinktmäßig thun, als wollten wir in den Welten, die über uns ihre Kreise schwingen, den Trost suchen, den uns die Ahnung eines andern Daseins gewährt. Anders jedoch schien der Alte diesen Blick zu deuten und fragte daher: „Sind schon Sterne zu sehen, David?" Der Jüngling fuhr aus seinen Träumen auf und erwiederte mit einem tiefgeholtem Seufzer: „Noch nicht, aber bald." Wiederum legte der Vater