Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 273)
- Language
- German
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250 Judenthum und und die düstere Nacht nur den sonnenhellen Tag gebiert, sie ziehet sich durch das große Drama der Weltgeschichte. Ueberall Entfaltung zum Lichte und zur Klarheit, überall Versagung und Verzichtleistung, überall Entbehrung und Bedürfnis, um den Genuß und die Befriedigung zu erhöhen. Eine sehr sinnige, sehr erhabene Lehre, die eine weitere Auseinandersetzung verdiente." „Ja! Wir speisen uns gern mit sinnreichem Wortgepränge ab, und lassen dabei alle Wellen des Schicksals über uns zusammenschlagen. Ja wohl! schöne große Gedanken! — Aber Gedanken sollen die Seele der Handlungen sein, sollen zu großen, männlichen Thaten beleben. Aber Euere schönen großen Gedanken führen höchstens zu Parschath Waijechal— Ich sage Euch, das ist der Fehler unseres Volkes; es ist feig, unthätig und opfert dem Fasttag sein Mark und Blut, das es besser für die edle Freiheit verspritzen sollte. Da sehet einmal diese Polen! Das sind Männer! O wie schön muß es sein für das Vaterland zu sterben! — „Möchtest du nicht gleich hingehen und dich anwerben lassend" Warum auch nicht? Ich wäre nicht der erste und einzige Jude, der den Vorwurf, den man uns macht, Lügen zu strafen sucht; als wenn wir teilnahmslos an allen Weltereignissen, nur nach Gewinn strebten und aus allen Begebenheiten nur unfern Vortheil zu ziehen suchten. Ja, freilich, ist nicht jeder von uns so opferwillig, einer edlen erhabenen Idee, dem Aufschwünge zu den mächtigen Gefühlen der Menschen, seinen Schacher preis zu geben. „Und diese großen, menschlichen Ideen liegen in den blutigen Raufereien, in dem Brudermorde eil gros — Schlachten genannt?" „Diese Rauferei, wie Ihr sie zu nennen beliebt — ist ein Kampf für Freiheit und Tugend!" Weißt du, daß wahre erhabene Tugend gerade in dem stillen Dulden und in jener demuthsvollen Ergebung liegt, die Dir zu tadeln beliebt? Weißt du, daß Fesseln tragen eben so viel Muth und Seelengröße heischt, als Ketten zerreißen und abschütteln?"