Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 240)
- Language
- German
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216 Joseph Perl, hebräischen Meisterwerke der neuen Berliner Schule, so wie für deutsche Sprache und Literatur einzuflößen verstand. Als Günzburg nach seinem Geburtsorte zurückkehrte, unterhielten die beiden Freunde lange noch einen lebhaften Briefwechsel, und es scheint, daß der liebe, gutmüthige, in dürftigen Verhältnissen lebende Günzburg seinem reichen Freunde imponirte, und sich nicht scheuete, ihm oft derbe Wahrheiten zu sagen. So beginnt ein Brief Günzburgs an Perl d. d. — Brody, den 11. September 1804, in welchem Ersterer über seine sehr mißlich gewordenen Umstände klagt, und den Freund ersucht, für ihn in Tarnopol irgend eine, seinen Lebensunterhalt sichernde Stelle zu suchen mit folgenden Worten: „Hochgeschätzter Freund, Herr Perl! Ich habe Ihnen schon lange nicht geschrieben, und also mit Ihnen schon lange nicht gezankt, denn Sie behaupten einmal, alle meine letzten an Sie gerichteten Briefe enthalten irgend einen Vorwurf oder einen Unwillen gegen Sie. Es ist aber wie der Zank der Liebenden, der seinen Grund nicht in der Ab-, sondern in der Zuneigung hat" u. s. w. Von da an erweiterte sich immer mehr der Gedankenhorizont Perls. Neue und zahlreiche Bekanntschaften, theils mit tüchtigen und gebildeten Geschäftsleuten, theils mit bedeutenden Gelehrten des Landes, wie mit Rapaport, Krochmal, Bloch, Bodek u. m. A. wurden angeknüpft, immer mehr begeisterte sich der vortreffliche Mann für energisch herbeizuführende Reformen in Israel, und der Gedanke, eine Schulanstalt für die so verwahrloste Jugend seiner Gemeinde zu errichten, wurde der glühendste seiner Seele, dem er alles Streben und Trachten zuwendete, den zu realisiren er Gut und Blut zu opfern bereit war.— „Einem frommen Manne, dessen später Abkömmling Sie sind, sagte er einst zum Verfasser dieser Zeilen, habe ich den ersten Impuls zur Errichtung der Schule zu verdanken. Ihr Ur-Urgroßvater, der rrtttf, dieser eingefleischte Kabbalist und Orthodore, sprach mit Bewunderung, — wie ihm dessen Sohn Schestel Horwitz im omrarn >'.i nacherzählt— von dem schönen und geregelten Unterrichte, der bei der Judenge-