Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 238)
- Language
- German
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214 Joseph Perl, höhnend und verspottend die edlen Bemühungen der zahlreichen Schüler Mendelssohns, denen es gelang, die Morgenröthe eines neuen, geistigen Lebens im jüdischen Volke zu wecken; war es das Bestreben jener heillosen Schwärmer, den despotischen Kultus einer irre geleiteten Phantasie, eines, alle edlern menschlichen Triebe lähmenden Fatalismus im Zudenthume einzusühren, der seine Bekenner nicht zu rüstiger That und guten Werken, sondern zu einem leidigen Harren auf einen zu kommen säumenden Messias, zum geistlosen, unter tausend Verzückungen und Verdrehungen abzuleiernden Gebete verpflichtet; und merkwürdiger Weise, auch Perl mußte in diesem Irrwahn sich verstricken lassen! Freilich muß zugegeben werden, daß der Chaßidismus von damals himmelweit von dem jetzigen abstand, daß demselben noch die bessere Idee zu Grunde gelegen haben mag, durch ein sündenfreies, beschauliches Leben, den im Sinnentaumel versunkenen Menschen der Urquelle alles Bessern zu nähern, daß dessen Verkünder noch betrogene Betrüger waren, ein keusches, aszetisches Nomadenleben führten, einige thalmudische Kenntnisse besaßen, wenigstens kabbalistischen Spuck trieben, und in ihren Verzükkungen sich und andern weiß machen konnten, als ob sie mit höhern, das Schicksal der Menschen leitenden Mächten in Rapport stünden, während die jetzigen Häupter der Sekte nur überzeugungslose, gewinn- und genußsüchtige Gauner sind, die aller und jeder Kenntnißbar, das Hebräische kaum zu lesen, geschweige ihren Namen zu unterschreiben kundig, und nur darauf bedacht sind, den reichen und armen Pöbel um sein Geld zu prellen, durch die schamlosesten Vorspiegelungen, durch das Versprechen, kinderlose Ehen mit Nachkommenschaft zu segnen, unheilbare, körperliche und psychische Krankheiten zu heilen, Dämone zu bannen u. d. gl. das üppigste, genußreichste Leben, in von Gold und Silber schimmernden Gemächern, bei wohlbesetzten Tafeln und reichem Gelage sich sichern zu können.