Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 237)
- Language
- German
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eine biografische Skizze 213 gesellte sich eine schöne, hohe Stirne, ein mildes, sanftes, blaues Auge und eine höchst bezaubernde Anmuth der Gesichtszüge. Frühzeitig beurkundete der Knabe einen klaren, gründlichen Verstand, und man erzählt sich, daß er schon in seinem dreizehnten Lebensjahre bedeutende thalmudische Kenntnisse besessen, daß die glücklichen Eltern oft die Freude gehabt, den geliebten einzigen Sohn mit gelehrten Rabbinen über spitzfindige thalmudische Sophistereien erfolgreich disputiren zu hören. Nach der damaligen Landessitte heirathete Perl in seinem vierzehnten Lebensjahre. Alter Lebenssorge enthoben, indem die reichen Eltern lange Jahre ihn sammt Frau, und später Luch mit Kindern bei sich behielten und für deren Lebensunterhalt reichlich sorgten, hatte Perl Muße genug, seinen thalmudischen, später auch kabbalistischen Studien mit Eifer obzuliegen, und in's große Meer rabbinischer Gelehrsamkeit sich zu versenken, ohne auch nur Sinn für anderweitige Kenntnisse, ja nicht einmal für gründliches Eindringen in den Geist der Bibel und der heiligen Ursprache gehabt zu haben, was nach den damaligen Begriffen als ein höchst verpöntes, verketzertes Beginnen betrachtet worden wäre. So vergingen die schönsten Jünglingsjahre des zu so hohem Berufe von der Vorsehung Auserkorenen, über ein nutzloses, geistiges Brüten und Träumen hin, was jedoch bei weitem nicht so bedauerlich gewesen wäre, als der bald darauf erfolgte Nebertritt Perl's in den damals zu spucken anfangenden Chaßidismus. Zn den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nämlich, in demselben Zeiträume, als die große Gährung in allen Geistern begann, und Sitten und Denkart aller Völker sich neu gestalteten, waren es die polnischen Juden allein, die nicht nur unberührt vom Gange der Zeit unerschütterlich im alten Sauerteige verharrten, sondern auch durch die Gaukeleien der Anhänger des Israel Bal-Schem, in den finstersten, abgöttischsten Aberglauben der rohesten Jahrhunderte, in einen bis dahin dem Judenthume unbekannt gebliebenen Aberglauben verfielen. Alle Macht und freien Willen des Geistes negirend, ver-