Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 236)
- Language
- German
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212 Joseph Perl der europäischen Karte fast nicht zählenden Flecken. — Seine Eltern, die nur des einen männlichen Sprößlings sich erfreueten, wurden bei den damaligen höchst einfachen, einem fast rohen Naturzustände angehörenden Verhältnissen, zu den wohlhabendsten Einwohnern des Ortes gezählt; und da der Vater unseres Joseph theils einen Weinhandel, theils einen Ausfuhrhandel roher Produkte nach Deutschland betrieb, so wurden zwischen der Familie und manchem gebildeten Menschen Berührungen herbeigeführt, die dem Hause einen gewissen Anstrich von Zivilisation verliehen. Ein glücklicher Gegensatz im Temperamente und der Gemüthsbeschaffenheit beider Eltern trug viel zum eigentlichen Gepräge im ganzen Wesen Perl's, trug viel dazu bei, daß die damals bei den polnischen Juden größtentheils verkehrte Erziehung, aus dem später so bedeutend gewordenen Manne, nicht einen verhätschelten, verdorbenen, willenlosen, in irgend ein Ertrem überschlagenden Menschen gemacht. Freimüthig, redlich, streng jedoch, unzugänglich, leicht übersprudelnd, derb war sein Vater Todres Perl; duldend, sanft, lieb und mildreich die Mutter Mirjam, und so mäßigte die Güte und Sanstmuth dieser, Alles, was von der Härte des Vaters dem Knaben hätte überkommen können; so wie ihm anderseits ein eiserner, unerschütterlicher Wille, männliche Beharrlichkeit und Ausdauer sich vererben mußten, und so charakteristrte sich Perl in allen Phasen seines vielbewegten Lebens, als Mann von streng nüchternen Sitten, als geschworener Feind jeder Lüge, jeder Heuchelei, jeder Speichelleckerei, alles täuschenden Firnisses, dessen Herz jedoch allem Unglücke, jedem unterdrückten und verfolgten Rechte warm, lieb- und teilnahmsvoll entgegen schlug, und nicht selten sah man den so strengen Mann bei fremdem Ungemach Thränen innigster Rührung und des Mitleids vergießen. Derselbe glückliche Gegensatz ließ sich auch in der körperlichen Erscheinung Perls wahrnehmen, einem festen, stark entwickelten Knochenbau, kräftigen, sehnigten Muskeln, einer höchst proportionell gebildeten, schönen Mannesgestalt,