Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 221)
- Language
- German
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196 Briefe aus Galizien ches Zusammenwirken vermag, wird man desto leichter und mu- Ihiger andern zeitgemäßen öffentlichen Unternehmungen die Kräfte widmen. In den meisten Beziehungen ist jedoch gerade die Größe der Gemeinden das größte Hinderniß eines schnellen Vor-und Fortschreitens. Liegt es nicht in der Natur der Sache, daß große Körper sich schwerfälliger bewegen als kleinere? Daß in alten. Gemeinden von bedeutendem Umfange das Herkömmliche und Bestehende zu feste und zu weit verzweigte Wurzeln hat, um so bald der Gewalt der Zeit zu weichen? Sind nicht auch in Deutschland die Synagogen kleiner, namentlich neuer Gemeinden, ihren Metropolen mit den nöthigsten Verbesserungen vorangeeilt? Wir dürfen dabei ferner nicht außer Acht lassen, daß an den Fortschritten der Juden überall das erwachte bessere Ehrgefühl, die Scheu vor dem öffentlichen Urtheile den entscheidensten Antheil hatte. Man wollte dem Christen nicht nachstehen, ihm nicht länger zum Gespötte dienen, man schämte sich ihm in Sprache, Haltung und Gesittung, im geselligen Leben, im Gotteshause, in den Lehrern und Vertretern der Religion Blößen zu geben. Dieses Gefühl, das anderswo den religiösen und gemeinnützigen Eifer beflügelt, wo nicht gar ersetzt, und zu den bewunderungswürdigsten Anstrengungen getrieben hat, ist ohnmächtig oder ganz fremd in einem Lande, wo die Juden eine eigene, streng gesonderte und ausgezeichnete Klasse und überdieß meistens den größten und besten Theil der bürgerlichen Stadtbevölkerung bilden, wo sie sich ihrer Bildung und Gesittung, falls sie nicht einen Vergleich mit dem Adel und den Staatsbeamten bestehen sollten, keineswegs zu schämen haben. Ihre Menge, Abgeschlossenheit und das Bewußtsein dem Bürger und Bauernstände intellektuell und in mancher Beziehung auch moralisch überlegen zu sein, machen sie selbstständiger und gegen das Urtheil des christlichen Publikums gleichgültig, geben aber auch ihrem Ehrgeitze und daher ihrer Lebensweise eine einseitige schroffe Richtung. So Mancher bezahlt mit Tausenden die Ehre einen Schwiegersohn von rabbinischem Adel seiner Fami-