Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 201)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Noch mehr aber, als durch die Gebete selbst, wurde ich durch des Büchleins Vorrede angeregt, so daß ich mich nicht enthalten konnte, dieselbe einen größeren Lesekreis mitgenießen zu lassen; denn Viele wird es interessiren, wie vor 140 Jahren ein einfacher Landmann so richtige Begriffe über wahre Andacht und ächten Jugendunterricht hegte, und dazu auch den Muth besaß, dieselben, einer verwahrlosten Synagoge und einer verkehrter: Erziehung gegenüber) auszusprechen. Es bekam ihm auch sehr übel; denr: von Seiter: der damaligen Rabbiner, denen der redliche Mann über ihre Pflichten tüchtig den Text liest, wurde sein Büchlein, das allerdings reformatorische Elemente enthält, in Cherem gethan, er vermochte keines mehr zu verkaufen, und da er eine starke Auflage hatte drucken lassen, so konnte man vor ungefähr zwanzig Jahrer: noch Tausende von Exemplaren auf den Schulböden der jüdischen Gemeinden zu Hergershaus e n und dem benachbarten O b e r r o d e n antreffen, welche später, da der Bann noch auf ihnen ruhte, vergraben wurden. Die Zeit hat jedoch den Bann gelöst, und wir betrachten es als eine Sühne gegen die Manen des edlen Verfassers, daß wir die folgende, von Geist und Gemüth zeigende Vorrede dem Originale, so weit es nur die Gesetze der Sprache erlaubten, treu nachgeschrieben, der Oeffentlichkeit übergeben, und auch bei dem bald herauszugebenden „Andachtsbuche für Israeliten,^ (wozu die zweite Rabbinerversammlung eine Kommission und den Unterzeichneten als Mitglied erwählt hat,) mehrere Kerngebete aus dem betreffenden Büchlein aufnehmen werden. Der Verfasser, Ahro n b en Samuel, liegt aus dem jüdischen Friedhofe zu Sickenh o fe n bei Hergershausen begraben, und es sind in den benachbarten jüdischen Gemeinden Urenkel von ihm noch am Leben; sein Grabstein steht noch. Mögen diese Zeilen ihm, den seine Mitwelt verkannte und verfolgte, beiden Religionsgenossen der Gegenwart eine dankbare Erinnerung verschaffen. Im Januar 1846. Stein.