Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 193)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein gesundner Brief. 167 Hab' ich Dir genug boctrt? Fast vermuthe ich, Deine hingeworfene Bemerkung war eine Lockspeise, an die meine Lieblings-Neigung anbeißen sollte. Aber mußt Du nicht einräumen, daß nur da eine wahrhafte bistorische Darstellung ist, wo die Thatsachen ein volles Licht auf die Personen werfen, während von diesen die Wärme für einen Gedanken ausgeht, und so Bildner und Gebilde in wechselseitiger Umarmung erscheinen? der Lenker dieser Doppelströmung, der Geschichtschreiber, wenn er seinen Gegenstand liebt, die Begebenheiten unpartheiisch, die Personen gerecht behandelt, — nur dann wird dem Leser, der mit ihm den geschichtlichen Ocean durchfährt, das Jndividium als ein Leuchtthurm erscheinen, und Dank und Liebe wird sich dem Gott der Geschichte, aber auch ihren Helden zuwenden. — Wenn nur also mit dem Leben und Wirken Vieler, die in der Geschichte der Juden glänzen, so wenig bekannt sind, so mag hier der gleichgültigen Trägheit der sogenannten Gebildeten eine große Schuld anheimfallen: einer größern klage ich die Geschichtschreiber an. Das jüdische Publikum, forderst Du, soll diejenigen, die seit zwei Jahrtausenden die Träger unserer Literatur sind, kennen, ihr Wollen begreifen, ihr Wirken achten, ihre Leiden fühlen. Von welchen Führern soll es dieß lernen? doch wohl nicht von jenen Autoren, die alles Alte, das jüdisch ist, mit Füßen tretend, unaufhörlich ausrufen, daß erst mit ihnen das Heil komme und die Wahrheit, die alle Bücher, worin gewisse courante Waaren nicht feilgeboten oder angepriesen werden, anseinden; auch von jenen nicht, die die hebräischen Bücher verbrennen, die Kenntniß dieser Sprache unter uns ausrotten möchten, weil dieselbe Palästina und das Mittelalter, beu Partikularismus und das Veraltete vertrete, wir aber die Kinderschuhe, die uns der göttliche Bund angelegt, längst ausgetreten. Solche Stimmführer können uns freilich, wenn sie sich aus ihrer Höhe zur jüdischen Geschichte herablassen, nur eine Schilderung von kämpfenden Thoren, irrenden Schwärmern, grübelnden Aberwitzigen geben, und ihre Leser verlieren jedes Interesse an einer hauptsächlich hebräischen Literatur. Wenn die Bande der Sprache, der Geschichte mib Religion, der Idee