Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 182)
- Language
- German
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der Karaiten 155 famfcit Konstantinopel, und die Schriftsprache h ebrä isch, was auf eine vorherige Wanderung und Zerstreuung eines Theiles der Karaiten deutet, und was die späteren betrifft, so gehören die Literaten theils der Gemeinde zu Troki bei Wiltna, theils der zu Lusk in Galizien, theils denen der Krimm an, während von den Morgenländern kein Lebenszeichen mehr erscheint. Die hebräische Sprache der Karaiten, Anfangs affektirtbiblisch, mischte sich zunächst schon bei Salmon durch unbiblische Fortbildungen nach Art der Poeten, (Paitanim, wie matt jetzt ttoch immer in korrupter Aussprache schreibt, obwohl wir dazu keinen Grund absehen, wenn man nicht alte Korruptionen erhalten will,) deren die Karäer vielleicht eben so viele hatten, wie die Spanier jener Zeit. Die Sucht, mit den Arabern in Versmacherei zu wetteifern, hatte die Karaiten ebenfalls erfüllt, und die Sprache leidet darunter nicht wenig. Später nahmen sie aus der philosophischen Sprache der Rabbinen eine Unzahl von Ausdrücken auf, die sie noch aus dem Arabischen, und nach diesem bildend, vermehrten. Attmälig kamen sie indeß von der Sprachverwirrung wieder zurück, und je weiter herab, desto mehr nähert sich der Ausdruck wieder dem biblischen. Sämmtliche Schriften des Karaismus, so weit sie uns theils durch eigene Anschauung, theils durch Namen bekannt geworden, bewegen sich auf dem religiösen Gebiete; nirgend eine Theilnahme für äußere Angelegenheiten, außer nt Beziehung zum Glauben. Auch wohnt alten Schriften dieser Sekte ein unerschütterlicher Ernst inne; nirgends eine heitere Laune, nirgends eine scherzhafte Darstellung, nirgends ein Spiel des Witzes oder der Satyre, kaum hie und da eine bittere Ironie auf die Gegner. Was die meisten besonders auszeichnet, ist eine gewisse Liebe zur Ordnung und Disposition des Stoffes, wie sie bei den altern, namentlich den spanischen Rabbaniten, ebenfalls herrscht. Die Karaiten übertreiben dieselbe auf's Aeußerste, und disponiren oft die unbedeutendsten Kleinigkeiten, mitunter nach sehr subjeetiven Anschauungen, wie wir noch zeigen werden. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen kommen nur zur Gesckicbte.