Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 160)
- Language
- German
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132 Die Juden Italiens ausgebreitete Praxis; nicht minder genießt der geistreiche Dr. Padov a zu Modena eines ausgezeichneten Rufes und der Ehre, auch vom herzoglichen Hofe consultirt zu werden. Dr. Giuseppe Cervetto in Verona ist als Mitarbeiter medicinischer Wochen-und Monatschriften vorteilhaft bekannt und fanden seine Vorträge auch in den Versammlungen der italienischen Naturforscher ehrenvolle Beachtung. Es kann meine Aufgabe nicht sein, alle Notabilitäten der sogen. Naturfächer, insofern sie unserm Kreise angehören, hier aufzuzählen; fast keiner Akademie oder gelehrten Gesellschaft fehlt es an Mitgliedern mosaischen Glaubens, was ein eben so vorteilhaftes Zeugniß für die Würdigkeit dieser als für die Gerechtigkeit der Ausnehmenden sein mag. Die Jurisprudenz wird beinahe noch häufiger betrieben als die noch übrigen Fächer; der reiche Italiener läßt seine Söhne am liebsten Jus studiren, und der wohlhabende Jsraelite macht diese Mode mit, obgleich für ihn außer der Advocatie keine Chancen vorhanden sind — wenigstens gewinnt er für sich das Gefühl des Rechtes: und so gibt es eine gute Zahl israelitischer Partikuliers, die ohne „Nomina" (d.h. ohne eigentlich die Advocaten-Praxis zu suchen, die von dem Gubernium nur nach einer fixen Norm und Zahl ertheilt wird,) sich auf das Recht verstehen. Praktiker vom altem Rufe sind die Advokaten B a s e r i in Mailand, C o n so l e in Verona, L a L L e s und Asson in Venedig und zwei Advokaten in Florenz, die noch vor 1815 licenciirt, in ihrer Praxis des allgemeinen Verbotes ungeachtet nicht gestört worden sind. Um Geschichtsforschung hat sich Samuel Roman in in Venedig (der einzige Jsraelite, der als beeidigter Dolmetscher am k. Tribunal, ausnahmsweise eine ämtliche Stellung gewonnen) durch Uebertragung der Geschichtswerke des Freiherrn von Hammer-Purgstall ins Italienische, so wie durch seine nach Quellen bearbeitete „Geschichte der europäischen Völker seit Roms Fall" (Eestorie dei popoli Europeidalla decadenza dell Imp. Rom. - Venezia, Giov. Geccliini e Comp, 1843 — 45) in drei Bänden ein nicht geringes Verdienst erworben. Er wußte sich bei dem unermeßlichen Material, das ihm vorlag (Sie findet in der Quellenangabe beinahe alle deutsche, französische und englische Historiker von klassischem Werthe) ein unbefangenes selbstständigesUrtheilzu bewahren, was man weder Bot La noch Cantü nachrühmen kann. Roman in hält sich so zu sagen, ziemlich mitten inne zwischen Gu i c i ar d i n i, S i s m o nd i und Co l le L La in edler Auffassung der historischen Ergebnisse und deren Schilderung steht er hinter ihnen kaum zurück. Was ihm an Kühnheit der Bilder abgeht, erseht er reichlich durch Wahrhaftigkeit. Und nun sind wir wiederum bei der theologisch-philosophischen Section, die wir schon oben, wiewohl im Allgemeinen, 'berührt haben. Unstreitig bildet das, wiewohl nicht sehr zahlreiche Konvikt und rabbinische