Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 159)
- Language
- German
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Die Juden Italiens. 131 frivole Richtung desselben gerade das Gegentheil von dem bewirken müßte, was man bei dieser neuen, an sich gewiß sehr ersprießlichen Einrichtung hatte erzielen wollen. Die Dichtkunst als vermittelnde Muse möge uns nach kurzem Verweilen , da wir nur Eine hervorragende Erscheinung, nämlich die poetischen Erzeugnisse des Doktor Juris, Davide Levy (aus Turin glaube ich) namhaft zu machen haben, zu den ernsten: Fächern der Wissenschaft führen. Wie nun jede Zeit ihr Gepräge hat, so ist es unverkennbar, daß dieser junge Dichter in Art und Weise Leopardi's die Zustände Italiens in Vergangenheit und Gegenwart, dann und wann wohl auch Ergüsse religiöser Natur in sehr gelungener Form behandelt, und eines seiner besten Gedichte: „la ßibbia“ verdiente wirklich in alle lebenden Sprachen übersetzt und verbreitet zu werden. Nur Eine Strophe desselben führe ich Freunden italienischer Literatur hier vor: Vieni, immortale splendida, Opra dei padri miei! Sola a noi resti — e patria, Profeta, altar ci sei! Tu t'ra gli oltraggi, il dubbio — Gli spasimi di morte Che a noi gravau sul cor — Vien, le celesti porte N’ apri di sperne ancor! Gravi, solinghi, taciti Astri volvete in cielo; Tu svariato splendido Terra dispieghi il velo : Ma quando incerto e cupido Del vero la parola In voi cerca il mortal — Lo spirto in lui s’invola Chiuso nel vel fatal. Hier und da vielleicht noch manches schöne Talent, das in Gelegenheitsgedichten sich kund gibt (denn Gratulations - und Festgedichte kommen bei den Italienern viel häufiger vor als bei uns, und auch das Volk liebt wohlklingende Verse und lernt sie sogar auswendig) — und wir gehen zu den andern Fächern über. Fruchtbarer sind schon die ernsten Wissenschaften der Philosophie, Philologie (erst seit einigen Jahren wieder in Aufnahme) Theologie, Mathematik, Physik, Medizin angebaut, welche alle, wenn wir auch nicht für jede einzelne Heroen anführen können, doch ehrenvoll repräsentirt sind. Pisa hat zwei Männer von hohem Geiste, den Botaniker Corinaldi und einen ausgezeichneten Mathematiker, dessen Namen ich nicht genau altgeben kann; Padua hat seinen M e d o r a, den Dieffenbacb Italiens /dem der Operateur Dr. Asson in Venedig rühmlich an die Seite zu setzen ist; Beider Platz wäre zum Heile ihrer Kunst vielleicht anderswo, allein auch der Zukunft soll so Manches voebehalten bleiben. Dr. GabrielTaussig, früher in Venedig, jetzt aber in Florenz, erwarb sich, zur Zeit der Cholera nach Italien gesandt, außer der Auszeichnung der großen goldenen Civil-Ehrenmedaille auch eine sehr