Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 158)
- Language
- German
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130 Die Juden Italiens. die Malerei mit den ihr dienenden Künsten des Kupferstechens und Radirens auch unter den Israeliten Jünger und wärmere Fürsprecher. Eine andere Bewandtniß hat es mit der Tonkunst, die nie aufgehört hat, von Israeliten mit Vorliebe und mit dem glücklichsten Erfolg geübt und — oft als die einzige Trostquelle in den Zeiten der Trübsal geliebt zu werden. So gab es jeder Zeit israelitische Frauen, die die Harfe und Zither, später auch das Klavier mit Virtuosität zu spielen verstanden, und — als noch in Venedig die Signoria über Recht und Sitte gebot, zählte die „Königin des Meeres" so manche Dilettantin von hoher Meisterschaft in einem Stadtquartier, wo man eben nicht auf ästhetische Befriedigung glaubte rechnen zu dürfen. Heute jedoch da Vokalmusik überall vorangestellt wird, und — Alles singt-heute gibt es wohl kaum eine etwas größere isr. Gemeinde, die nicht in ihrer Art Kunstliebhaber und selbst Künstler von einigem Verdienste anfzuweisen hätte. Mailand (mit kaum 300 jüd. Einw.) Florenz und Venedig gehen hierin allen übrigen Gemeinden voran. Discretion verbietet es mir, Namen zu nenen, die in dem gewählten Kreise jener drei kunstliebenden Städte mehr als guten Klang haben. Auch ein israelitischer Compost'teur, Maestro Äilli aus Venedig, hat —wiewohl ohne großen Erfolg, für die dortige Oper — Schweiß und Tinte vergossen; eben so der Compost'teur Levi, auch ein Venezianer, mit seiner Over „Judith" wenig Glück gemacht. Wo diese Herren wirklich nutzen könnten,' das wäre beim Gottesdienste, dessen musikalischen Theil sie berathen und leiten sollten; da würden Tonsetzungen, wie die des Sulzer'schen Schir-Zion, welches notorisch Klasslcität ansprechen darf, nicht verstümmelt und verhunzt; andererseits aber Opernstüke, wie das Rondeau finale der delirirenden Primadonna in der Donnizetti scheu „Lucia" und ähnliche Piecen, nicht zur K i r ch e n musik erhoben werden. Die Einführung des Chorals beim israelitischen Gottesdienst stößt in Italien nicht auf so hartnäckige Opposition wie sonst wo, da Responsorien und sogar Chorgesänge schon im malten ital. Ritus Vorkommen, die nur gereinigt und den Zeitbedürfnissen angepaßt werden dürften, um auch der Kunstkritik vollkommen zu genügen. Die meisten Psalmen für Ruhe-und Festtage werden nicht bloß recitirt, sondern nach alten Weisen gesungen, wobei der Vorbeter mit der Gemeinde abwechselt — und ich errinere mich noch einer uralten Weise zum Festpsatm 118, die nur einer schöpferischen Hand wie die unsers Sulz er bedürfte, und zur Erhebung Tausender in unseren reorganisirten Bethäusern enthusiastische Aufnahme zu finden. — Ich kann nicht umhin, schon hier auf die Gefahren einer Degeneration unseres Kirchengesangs um so mehr hinzuweisen, als dies Institut noch sehr jung ist (bis jetzt sind regelmäßige Chöre in Venedig, Verona und Mantua, theilweise wohl auch in Padua und Livorno eingeführt) und eine