Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 157)
- Language
- German
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T Die Juden Italiens. Kunst und Wissenschaft, Sowohl Wissenschaft als Kunst erfreuen sich (denn der Geist läßt sich nicht absperren) einer viel allgemeinern Pflege als die Gewerke, weil der Erlernung letzterer einerseits die Proselytenmacherei, oder wenigstens die Furcht vor ihr, anderseits die rituelle Strenge unserer Speisegesetze im Wege stehen, erstere aber an und für sich schon eine Bildungsstufe voraussetzen, die weder Bekehrungsversuche noch Ausbrüche frommer Unduldsamkeit besorgen lassen. Auch muß man dem Italiener das Zeugniß geben, daß er Charakterstärke nnd eine tüchtige Gesinnung bei aller Glaubens¬ und Meinungsverschiedenheit zu ehren und in Schutz zu nehmen weiß. Besonders liebenswürdig tritt diese Tugend an den höheren Ständen hervor, die gewiß jeden Schritt auf der Bahn des Rechtes und der gerechten Würdigung mit unverhehlter Freude begrüßen würde. Es bietet aber das Feld der schönen Künste, so nahe auch Begeisterung für dieselben in einem Lande und unter einem Volke liegen möge, die zu deren Ausübung so freundlich einladen — wenige Namen, die das Wort eines geistreichen Kritikers unserer Zeit: Es liege im Gegensatz zum Griechenthum in dem Judenthum ein Element des Bilderhasses" Lügen strafen könnten. Es ist mir kein Beispiel bekannt, daß in Skulptur und Plastik ein Jude sich je ausgezeichnet hätte, und ich glaube kaum, daß noch heut zu Tage viele israelitische Jünglinge bei Bildhauer in der Lehre sein mögen. — Ein anderes ist es mit der Malerei und der Kupferstecherkunst, in deren ersterer ich zwei vielgerühmte Meister nennen muß, den Landschaftsmaler GiuseppeCoön in Ferrara, den die päbstliche Regierung milder E h r e n m e d a i l l e für Kunst beehrt, und der Modenesische Hof durch Kunstaufträge mancher Art ausgezeichnet hat; nicht minder verdient der junge Jacquard (Enkel des berühmten Präsidenten der Pariser „Sanhedrin," Ritters der Ehrenlegion und weiland Oberrabbiner zu Triest, Abramo di Cologna) Zögling der Türmer Akademie, im Genrefache eine rühmende Erwähnung, da man schon vor Jahren sich von diesem Jünglinge für die Zukunft Großes versprach. Auch gibt es an den Malerschulen von Mailand, Venedig, und Bologna eine gute Zahl Kunstbefliffener, die einst — vielleicht mythologische oder christliche Legendenstoffe mit Geschick behandeln werden.— Hohen Rufes erfreut sich der berühmte Kupferstecher Samuel Je si, der selbst in Wien schon längst Professor der Akademie wäre — — Von Architekten isr. Abkunft ist mir nichts bekannt, wenigstens von solchen nicht die eine Ehrenerwähnung verdienten. Es darf übrigens nicht übersehen werden, daß die Aufnahme der bildenden Künste unter den italienischen Juden früher mehr in dem Ankäufe gelungener Werke, höchstens in einen: anspruchslosen Dilettanismus, als in unmittelbarer, thätiger Teilnahme an deren Fort-und Rückschritten sich kund geben mochte. Erst seit 2 bis 3 Jahrzehnden fand