Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 154)
- Language
- German
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126 Die Juden Italiens. Quelle und das Fundament aller theologischen Forschungen und Diskussionen zu sein. Da mein Auftrag einen Rückblick in die frühern Jahrhunderte vielleicht als liors d’oeuvte erscheinen ließe, und vielmehr dem gegenwärtigen Zustande der geistigen und sittlichen Kultur mein ausschließendes Augenmerk zugewandt sein sott, kehre ich zu diesem zurück und werde Schule und Gotteshaus, Wissenschaft, Kunst und Industrie, wie sie derzeit von den Juden Italiens gepflegt und gehalten werden, einer detaillirten Schilderung unterziehen. Jene sind als unmittelbare Symptome des innern Lebens einer Glaubensgemeinde das Bindemittel der Komunitäten sowohl wie der einzelnen Mitglieder derselben; letztere jedoch, als mehr dem gesammten bürgerlichen Verbände angehörend, zu welchem sie in mannigfacher Wechselwirkung stehen und die häufigsten Beziehungen zum Staate und dessen Administration an die Hand geben, wollen zuerst in's Auge gefaßt sein. Fabriken. Auch hier sind es wiederum die Juden des österreichischen Antheiles von Italien, die den übrigen mit löblichem Beispiele vorangehen, das jedoch von den westlicken und südlichen Glaubensgenossen wenig oder gar nicht nachge.uM wir). Wie enge der Betrieb von Fabriken und das Gedeihen ähnlicher Etablissements mU dem unbeschränkten Grundbesitz zusammenhängt, darf ich einem Sachkundigen nicht erst in Erinnerung bringen; nun ist den Juden aber im Kirchenstaat, Sardinien und Neapel der Besitz unbeweglicher Güter nicht gestattet, und bei der dem Italiener angebornen Abneigung gegen Fabriken im Großen (Ausländer waren es, die selbst in dem gewerbthätigen Oberitalien damit den Anfang gemacht haben) nicht zu hoffen, daß ein noch so wohlhabender Jude bei so prekärem Stande des Besitzes (er müßte die nöthigen Lokale auf den Namen eines Andern (Christen) einbüchern lassen, und dabei immerwährend in der Furcht schweben, denuncirt oder — von seinem „Namensträger" selbst arg bedrückt zu werden) sich wie dies in Deutschland, Frankreich, und — besonders in Preußen und England der Fall, dieses Industriezweiges bemächtigen werde. Zwei großartige Etablissements sind es zuvörderst, an denen Israeliten für die Industrie, entweder als alleinige Unternehmer oder als Theilhaber thätig sind, die wir zuerst nennen: es sind dies die berühmte Glaskorallen-Fabrik Errera und Cerutti auf Murano bei Venedig, und die große Seifen- und Kerzenfabrik des Herrn Finzi in Triest; dann die Papiermühle und Getreidemühlen der Frau Ascoli, die Kerzen - und Weinsteinfabrik des Herrn Luzzatto, das wiewohl kleinere, doch sehr strebsame Etablissement Senigaglia, sämmtlich von Görz; nicht ohne Verdienst ist auch die Baumwollenspinnerei Ventura zu Udine, die immer Lhätige Lederfabrik Forti zu Verona, mehrere kleinere Unternehmungen in