Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 152)
- Language
- German
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124 Die Juden Italiens. setze des lombardisch-venezianischen Königreichs hinsichtlich der Juden auch in den übrigen italienischen Staaten Nachahmung finden werde! Kult Urzustand. Italiens Juden haben den unbestrittenen Ruhm, schon in den frühesten Zeiten den jeweiligen Fortschritten ihrer Periode gerecht geblieben zu sein. Während die Juden Deutschlands und Frankreichs (auch Englands, wo doch schon seit Menaffeh ben Jsrael's, also Kromwell's Zeiten, Juden wieder Aufnahme gefunden) noch vor 50 Jahren, und jene in Polen und Rußland bis auf den heutigen Tag der Geistesbildung ihrer Zeit zum Theil aus religiöser Scheu fern geblieben, und dadurch wie'durch einen korrupten Dialekts zurückstanden; während der Jude des nördlichen Europa vom giftigen Hauche des unversöhnlichsten Fanatismus den Kern der göttlichen Lehre und mit diesem das eigene Lebensglück erstarren oder verkrüppeln sehen mußte, und — die freundlichsten Herrscher ihnen keinen besseren Schutz zu gewähren wußten, als den — höriger Kamm er kn echte, die als Privatgut der römischen Kaiser unantastbar sein sollten: lebten die italienischen Juden in ziemlich ungestörter Ruhe, fanden sogar in einem und dem andern der Päpste (besonders aus der mediceischen Fürstenfamilie) gnädige Beschützer, die ihnen manches für jene Tage kostbare Privilegium verliehen und sie der Art begünstigten, daß, wie bekannt, Leibärzte und Familiären der Landesherren, Handels- und Finanzräthe--) Juden waren, die denn patriotisch genug (für damals noch die Anhänglichkeit an der eigenen Glaubensgemeinde bezeichnend) in vorkommenden Fällen als Fürsprecher, Rathgeber und Helfer ihrer Stammverwandten für alle Zeiten sich ein Denkmal der Liebe und der Verehrung gegründet haben. Dabei ist zu bemerken, daß die Juden Italiens, auch die der niedrigen Klaffe, sich zwar durch einen etwas eigenen Akzent, nicht aber durch die Sprache selbst, die sie eben so rein und eigenthümlich bewahren wie die übrigen Landeseinwohner, kenntlich machen. — Mehr als alles das zeichnet sie aber die hohe Stufe aus, die sie in den Wissenschaften, die Heilkunde miteingerechnet, bis vor Kurzem eingenommen, für welche sie als Original-Schriftsteller und Kompilatoren, 1) Der sie charakteristisch genug als spätere Einwanderer bezeichnet, die die Sprachelemente des Volkes, in dessen Mitte sie zumeist abgesondert und — verabscheut lebten, auf ihre Weise, verarbeitet und so den wunderlichsten Idiomen in hundertfältig verzerrten Nuancen (ein modernes Seitenstük zu jener ersten Sprachverwirrung) das Dasein gegeben. — 2) Manche Familien tragen noch bis auf den heutigen Tag zum Andenken an ihre auf solche Weise ausgezeichneten Vorfahren Namen, die an deren Ehrenstand erinnern.