Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 151)
- Language
- German
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Die Juden Italiens. 123 5) Die beträchtliche Zahl wohlhabender Familien, welche zwar nicht für Zunahme, wohl aber für Erhaltung des Populationsstandes sich besonders eignen. 6) Ausschließung der Israeliten von mancherlei Nahrungswegen und dem zu Folge die geringeren Resourcen, nach denen sich die Zu- und Abnahme der Population schon nach ökonomischen Gesetzen zu richten pflegt. 7) Der Uebertritt so Mancher, der, so gering ihre Zahl auch sei, dem alten Stamme doch einigen Abbruch thut. 8) Die ungemessenen Ansprüche, welche man an Familienväter machte die ihren Töchtern einen eigenen Heerd verschaffen möchten und dem zu Folge ein erschreckendes Ueberhandnehmen des Cötibats unter der wohlhabenden Klasse, die, egoistisch genug, unter dem Vorwände, den Weg zu bürgerlichen Aemtern, oder zum Avancement im Heere vor sich versperrt zu sehen, nur durch die glänzendsten Offerte zum Heirathen hewogen werden kann?) 9) Endlich aber (und dies hat besonders auf die livornesischen Juden seine Anwendung) verändert die kommerzielle Blüthe oder der Verfall eines Handelsplatzes die sonst angenommenen statistischen Regeln und Gesetze, indem sowohl Aus- und Einwanderungen, als andere Umstände (und das emporblühende Triest bildet, bei aller Ungunst der Lage in dieser Rüksicht, einen klaren Gegensatz zu Livorno) hier als erste Faktoren zählen. Die Auswanderung aus Livorno, das schon längst nicht mehr seine frühere Wichtigkeit als Centralpunkt des mittelländischen Seehandels (Marseille ist Erbin dieses Nachlasses) behauptet, ist immer noch im Fortschreiten, und kommt mit nicht unansehnlichen Kapitalien anderen strebsamen Seeplätzen zu Gute. Viele gingen nach Afrika, wo für unterrichtete junge Leute allerdings leichter Unterkunft zu finden ist; noch Andere gründeten in der Levante neue Handlungshäuser und so weiter. Man hört unser Jahrhundert als das des Fortschritts preisen — wie viele Gegenden gibt es jedoch, die an diesem gepriesenen Fortschritt wenig oder — gar kein Antheil haben.' — Hoffen wir, daß in Zukunft die Ge- *) Unter allen hier angeführten Gründen hat dieser allein an dev obigen Wahrnehmung eines beinahe stagnirenden Stillstandes in der Gesammtzahl der indischen Bevölkerung das meiste Gewicht und — die volle Wahrheit für sich. Selten heirathet ein reicher Italiener früher, als bis er seine edelsten Kräfte (ich spreche hier auch von den moralischen) i m D i e n st e der Sünde vergeudet und — eine Krankenwärterin eher nothig hätte, als ein treues Weib; unter den zweideutigen Segnungen einer falschen, krankhaften Civilisation ging auch dieser Mißstand auf die kultivirten Juden in Italien über und wuchert zum Entsetzen. Note d. Einsenders. 6 *