Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 144)
- Language
- German
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116 Die Juden Italiensverdächtig macht, nicht beirren zu lassen, tritt es fest und ruhig auf: es kennt seine Macht und — des Landes Schwächen. An Oesterreich lehnen sich durch verwandtschaftliches und staatliches Interesse Parma und Toskana, welches letztere in aufrichtiger Würdigung der Zeitverhältnisse für Emporbringung und Beglückung des Landes wirk!! lich Großes gethan. — Zwar haben die Israeliten des österreichischen Antheils von Italien freien Grundbesitz und den ungehinderten Betrieb jederlei Gewerbes, aber auch diesem hängt noch mancher Unglimpf an. So sind sie für freie Ausübung der Heilkunde und der Advokatie, nicht aber der Pharmacie u. dgl. gesetzlich befähigt;') sie können im lombardisch-venezianischen Königreiche wohl für die Provinzial-Kongregationen (in denen nur Landwirthschaftliches, oder doch meistens Lokales verhandelt wird), nicht aber zu Central-Kongregationen gewählt werden, welche schon einen administrativen Charakter verleihen und die Zulassung der Juden nicht rathsam erscheinen lassen. — Uebrigens leistet Oesterreich treu, was zu deren Schutze gegen Anfechtungen von 'Seite der übrigen Bevölkerung denn doch zuweilen nöthig wird. So hat es im Jahre 1842 zu Mantua ein Beispiel unparteiischer Gerechtigkeit gegeben und zur Verhütung ähnlicher Erceffe eigends ein Detachement ungarischer Kavallerie der dortigen Garnison zugesellt. Za, später noch wurden die inzwischen ermittelten, sich ganz sicher glaubenden Führer jenes Kravalls eingezogen, umso für die Zukunft von Nachfolge abzuschrecken. Weder Parma noch Toskana wurden seither veranlaßt, auf ähnliche Weise einzuschreiten; die Zahl ihrer jüdischen Untertanen ist zu gering und — zu wenig beachtet, überdies der Italiener im Grunde zu gleich- Mig gegen derlei Unterschiede (es sei denn, er würde von einer gewissen Seite aufgeheßt), als daß Auftritte dieser Art vorkonnnen könnten.' Es leben vielmehr die Juden in diesen Staaten ruhig unter den übrigen Bewohnern , mit denen sie in geselliger Hinsicht auch weit mehr harmoniren als die übrigen Juden Oberitaliens. Ganz anders verhält es sich mit den Juden Sardiniens, Modenas und des Kirchenstaates, wo noch die volle Verachtung des Mittelalters auf denselben lastet. Weil Rom hier den Reigen anführt, sprechen wir auch von ihm, dem Statthalter Christi auf Erden, zuerst. So oft ein neu gewählter Papst den Schutzbrief der armen römischen Juden erneuert, setzt er bekanntlich die Worte: „Conlirmo sed non probou unter die betreffende Urkunde. — Und so wird der Zustand derselben blei- 1) Bekanntlich petitiviiirten die Juden des lomb.-venez. Königreichs im Jahre 1842 bei sr. Majestät dem Kaiser, und unter den acht Punkten der Denkschrift befand sich auch die Bitte um Abstellung dieser lind ähnlicher Beschränkungen.