Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 132)
- Language
- German
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103 Juden in Ungarn Sie werden noch jetzt die ״sieben Gemeinden" (שבע קחלות) genannt, und gehören in mancher Beziehung auch gegenwärtig zu einander, wiewohl sie die Suprematie des Eisenstädter Rabbinats nicht mehr anerkennen. Rabbi M eir galt für einen der größten talmudischen Autoritäten seiner Zeit, und es wurden nicht nur aus verschiedenen Gemeinden Ungarns, sondern auch aus entfernten Gegenden, aus Frankfurt, Trier, und Belgrad Anfragen an ihn gerichtet, und bedeutende Rabbinen nahmen keinen Anstand, ihre Meinung seinen Aussprüchen unterzuordnen. Einen sehr freundlichen Gönner hatte er an den gelehrten, frommen und reichen Samson Wertheimer in Wien, welcher in Eisenstadt eine Synagoge gegründet, die noch gegenwärtig besteht, *) Ein Üebel, womit R. Meir in seiner Zeit zu kämpfen hatte, war die Spielsucht, die in der Eisenstädter Gemeinde so sehr überhand genommen batte, daß der Rabbiner sich genöthigt sah, diese sündliche Gewohnheit durch einen Bann (חרם) zu beschränken. Als Schreiber dieses im Jahre 1829 unter dem Rabbiner M o se s P e rl s die dortige Talmudschule besuchte, wurde der Bann noch gewissenhaft beobachtet; gegenwärtig sollen es die jüngeren, spiellustigen Eisenstädtcr nicht mehr so genau damit nehmen. Zn älterer Zeit scheint jedoch in der Eisenstädter Gemeinde die Liebe zur Wissenschaft größer gewesen zu sein, als die Liebe zu den Karten. Wenigstens wird in der jüdischen Literaturgeschichte unter allen Jsraelitengemeinden Ungarns Eisenstadt am häufigsten genannt; und wir haben außer dem genannten Rabbi Meir noch folgende Schriftsteller anzuführen: Abigedor Sofer, Vorläufer Heidenheim's, Landaus und Mannheimers. Er übersetzte Gebete und Piutim ins Deutsche, und schrieb auch einen Kommentar dazu. Sein Werk erschien zuerst in Krakau 1549, und wurde fünf Mal aufgelegt. Zuletzt in Dvrenfurt 1709. 1) In früherer Zeit wurden in dieser Synagoge von einem hiezu gestellten Gelehrten von Zeit zu Zeit Vorträge gehalten. Zuletzt verwaltete dieses Amt der joviale L e H m a n H e vz, Rabbinatsajseffov welcher am 20. April 1841 starb.