Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 276)
- Language
- German
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208 Die Taube Niger eine in der Abstraktion des Begriffs gelegene Weisheit gewesen zu sein, als vielmehr die ihm zum Bewußtsein gekommene Bedeutung der in ihren Einzelnheiten als Symbol erscheinenden Natur, und das Vermögen, sie den nach Belehrung ringenden Haufen zu deuten, d. h. den geheimen in ihr verborgen liegenden Sinn zu enthüllen. An diese naive und kindliche Naturanschauung schloß sich gleichzeitig der Mythus an, d. i. die Einkleidung des Gedankens in ein geschichtliches Gewands und während im Symbol sich mehr ein dunkles aber kräftiges Gefühl, eine unbestimmte Ahnung ausspricht, legt der Mythus mehr den Begriff und Gedanken und zwar aus eine mehr klare und bestimmte Weise dar. Der symbolische Vortrag ist sehr alt, und wenn er auch vorzüglich bei den dem Elementardienst anhängenden Völkern heimisch war und namentlich in der reichen Fantasie, und dem Kunstsinn der Griechen seine höchste Blüthe erreichte, so hat man doch auch bei den Hebräern, wie entfernt auch das ihnen frühzeitig zum Bewußtsein gekommene geistige Jdealleben von der heidnischen Apotheose der Natur ist, die symbolisch-mythische Darstellung und die sich daraus entwickelnde allegorische Deutung nicht verschmäht, unv nicht nur die Sänger der alten Griechen, sondern auch die Propheten der Bibel bedienten sich des Symbols und der Mythe, und suchten in den Erscheinungen der Natur eine Unterlage für die Idee, die ihr Inneres bewegte. Aber in noch umfassenderm Umfangebemächtigte sich das spätere Judenthum dieser Darstellungsform y und mehr noch als in den Sagen der Rabbiner: hat die Käbalcr — Geheimlehre der Juden — das symbolisch-mythische Element ausgebildet. Wie aber das Judenthum im Kampfe gegen fremde Einwirkung das entweder ihr aufgedrungene oder bewußtlos aufgenommene fremde Element immer wesentlich veränderte, so erscheint auch das Symbol in ihm in einer eigentümlichen Ausprägung. Es ist einfach, nicht von jenen zahlreichen, zauberischen Arabesken eines orientalischen Bilderkreises umrankt, aber die in Lhnr pulsirende Lebenskraft ist doch stark genug um identisch und trostreich über unftrm Leben zu strahlen, und durch seinen Rester des Göttlichen, der Sehnsucht in der Menschenbrust selige Befriedigung zu gewähren.