Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- – (sequence 275)
- Language
- German
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Aast bei allen Völkern des Alterthums war die symbolische Darstellungsart, d. i. jene sinnbildliche Weise, wo das Bild die Stelle des Gedankens vertritt, und der geistige Sinn durch ein sichtbares Zeichen veranschaulicht wird, die vorherrschende. Je geringer der Vorrath an Begriffen war, und je weniger die damit im Verhältniß stehende geistige Gewandtheit sich entwickelt hatte, desto mehr suchte man seine Regungen und Gefühle an Symbole zu knüpfen und das Symbol gelangte nicht selten zu größerer Bedeutsamkeit als das Wort. — Mehr in der Unmittelbarkeit der Anschauung, als in der Mittelbarkeit der Resterion wurzelnd, ahnte man im Bilde die Wahrheit einer Lehre, die auf dem weiten Wege des Begriffes verloren gegangen wäre. Dieses war namentlich bei den Völkern des Orientes der Fall. Die rege Fantasie des Orientalen, die Alles beseelt, läßt in ihm früh die Ahnung einer Bedeutsamkeit der einzelnen Phänomene in der Natur entstehen, und erweckt den Glauben, daß alle Geschöpfe bedeutungsvolle Zeichen sind, die zu dem Menschen reden, aber nur dem Kundigen vernehmlich sind. Wie die Gottheit es liebe, die Wahrheit der Ideen durch sinnliche Bilder zu bezeichnen, so gefalle sich auch die Natur darin, ihre unsichtbaren Begriffe mittelst der Symbole in sichtbaren Formen auszuprägen *). Wer solche zu deuten verstand, galt als ein Weiser; und die tiefe Weisheit, die die Bibel am Könige Salomo rühmt, daß er es verstanden habe, „über die Bäume Libanons, von der Ze- „der bis zum Jsop an der Mauer, über das Vieh, über die Vö- „gel, über das Gewürm und über die Fische zu reden," was die Tradition zu den sonderbarsten, theilweise auch in den Koran übergegangenen Behauptungen veranlaßte, scheint ebenfalls we- 1) Creuzers Spmvolik i. S. 10.