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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1845-01-01 · 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845) · p. Seite 191

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 191 (sequence 260)
Language
German
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Ephraim Neu bl. 191 „Mein starkes, mutbiges Mädchen!" rief Emanuel, seinen -Arm um sie schlingend, „der Vater wird gewiß bald, recht bald zurückkommen." „Wenn ich nur wüßte, was es denn eigentlich ist, warum man ihn in Wien zurückhält." fuhr die Matter fort. „Ach, welch' todtlichen Schreck habe ich ausgestanden, als die Männer des Gerichts in unser Haus eindrangen, alle Schränke erbrachen um jenes Gold, von dem ich nichts wußte, sammt dem Vater mit sortzunchmen; ach, wenn ich nur wüßte, welche Bewandtniß es mit jenem Gelde habe, ich würde viel ruhiger sein." „Würdet Ihr das?" fragte Emanuel. „Ganz gewiß," sagte die Mutter. „Nun, so Hort," subr der junge Mann fort. „Das Geld ist aus Polen, und winde von meinem Vater gesammelt mit vielen braven Juden, und ich sollte es dem Ephraim Reubl überbringen, daß er damit eine Svnagoge zu gründen suche. Dieses Auftrages habe ich mich getreulich entledigt und dem Vater das Geld übergeben. An jenem -Abende, als die beiden wüsten Gesellen hier einbrachen, die der Vater durch sein entschlossenes Benehmen entfernte, legten wir das Geld hier in den Schrank; in demselben Augenblicke gewahrte ich das Gesicht eines Mannes, der durch's Fenster hereinspähte. Da ich rasch auf ihn losspringe, huschte er, wie ein Schatten davon. Ich vermuthe nun, daß jener Spion der Obrigkeit dieß angezeigt, und da sie vermuthlich etwas Böses dahinter suchte, bat sie sich des Geldes und Ephraims Person bemächtigt. Es kann ihm aber durchaus nicht schwer werden, seine Unschuld zu erweisen; ja vielleicht ist dieß eben ein glücklicher Unrstand, um die Gründung der Synagoge bewilligt zu erhalten." „Nun, so wäre ich wohl ruhiger," meinte die Mutter, aber dennoch kann ich mich aller Besorgnisse nicht entschlagen." „Das werdet Ihr nie," scherzte Emanuel, „und daran ist wohl nur Euere Krankheit schuld." „Eine Svnagoge in Wien?!" fragte Regina. „Ja mein süßes Lieb!" versetzte Emanuel, „wenn es auch im gegenwärtigen Augenblick geheim bleiben muß, und aller Wahrscheinlichkeit nach würde ich Rabbiner werden; denn ich

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