Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 259)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Ephraim Neubl. ster, das hinaus ging auf den gefrornen Spiegel der Donau, auf dem die letzten Strahleil der langsam hinter dem Kahlenberge hinabsinkenden Sonne zitterten, inld das Eis in den mannigfachsten Farben schimmern ließen; dichter Schnee lag auf den Auen jenseits der Donau und die ganze Gegend trug jenen eigenthümlichen Charakter, welche!: ein sonnenheller Winterabend gibt. Die kranke Mutter saß, sorgsam tu Tücher eingehüttt, am Fenster, und blickte hinaus in die funkelnde Schneelandschaft; ihr zur Seite saß Regina, sorgfältig jeden Athemzug der geliebte!: Mutter bewachend, während Emanuel an der Rücklehne ihres Stuhles ftanb und manchmal verstohlen einen Kuß in die dunklen Locken der erröth enden Jungfrau drückte. Die kleineren Kinder spielten lärmend in der Stube und kollerte:: lustig aus dem Boden herum, während das knisternde Feuer im Ofen manchmal mit stärkerer Flamme aufslackerte, und einen rothen Schimmer über ihre fröhlichen Gesichter goß. Es war eine heilige Scene stillen Friedens und Familienglückes. „Ephraim kömmt auch heute nicht," sagte die Mutter, indem sie mit besorgter Miene die Straße hinabsah, „es wird kälter und mir schien es heute Nacht, als ob ich die Wölfe ganz nahe hätte heulen hören." „Heiliger Gott!" ries Regina. „Allerdings," fuhr die Mutter fort, „Ihr schlieft fest, aber mich läßt die Sorge und die Krankheit nicht schlafen und da vernahm ich es, wie sie vom Gebirge herab bis an die Straße kamen, und erst gegen Morgen merkte ich aus dem immer schwächer werdenden Geheule, daß sie wieder ins Gebirg sich verloren." „Es wird so arg nicht sein," tröstete Emanuel, „wir in Polen haben Wölfe genug, und ich weiß, daß sie sich am Tage so leicht nicht an die Landstraßen wagen und Ephraim wird sich wohl hüten in der Nacht zu wandern." „Es wäre denn doch besser, er wäre hier," seufzte die Mutter." „Allerdings," meinte Emanuel. „Da es aber nicht ist, so müssen wir Ans Geduld fassen," sagte Regina.