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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1845-01-01 · 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845) · p. Seite 189

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 189 (sequence 258)
Language
German
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IRI
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Ephraim Neubl. 189 III. Das Haus des Juden Ephraim Neubl in Nußdorf war ein Tempel der reinsten Liebe geworden und die düstere:: Stuben schienen zu schimmern im Abglanze des edelsten der Gefühle. Der junge Mann den Ephraim mitgebracht hatte, als die beiden Studenten in sein Haus eingedrungen waren, war E m a n u e l L ö w y , der Sohn des weisen Rabiners I a c o b L o w y in Krakau, Regina's verlobter Bräutigam. Schon vor Jahren hatten die Väter ihre Kinder versprochen, und nun die Zeit da war, reifte Enranuel von Krakau nach Wien, wo ihn Ephraim abgeholt und nach Nußvorf geleitet hatte. Emanuel und Negina hatten in kurzer Zeit einen festen Liebesbund geschlossen, ihre Herzen schlosse:: sich inniger und inniger an einander. Segnend lächelnd blickte die kranke Mutter auf ihre Kinder, und sah das Glück ihrer eignen Jugendzeit zum zweiten Male in | dem Glücke der Ihrigen. Der einzige Umstand, der ihre Freude j trübte, war die Abwesenheit Ephraims. Seit die Boten des Ge-! richtes in das Haus eingedrungen waren und den Hausvater ' mit sich sortgesührt hatten, war Ephraim nicht mehr zurückgekommen, aber an: dritten Tage brachte ein Bote, der zu Pferde von Wien kan:, einen Brief, in welchem Ephraim meldete, daß es ihm wohl gehe, und daß sie seinetwegen ganz ohne Besorgnis sein sollten. Es sei eine wichtige Angelegenheit, die ihn in Wien zurück halte, binnen kurzen: aber werde er wieder in Nußdors eintreffen. Sie sollten geduldig seiner Ankunft entgegen harren, und auf keinen Fall sollte Emanuel die Frauen allein lassen unv etwa nach Wien kommen. Der junge Mann, den: dieser Befehl höchst erwünscht war, da er nichts verlangte, als immer an der Seite der Geliebten zu weilen, stellte sich taub gegen die Bitten der Frauen, die ihn beschworen nach Wien zu gehen, und nach den: Vater zu forschen. Auch kam kein Nachbar nach Wien, der Kunde hätte bringen können; denn die Straße war damals wo möglich noch schlechter als jetzt, und der viele Schnee hatte sie völlig unwegsam gemacht. Es war Freitag Abend. Die kleine Familie saß am Fen- *

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