Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 253)
- Language
- German
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184 Ephraim Neubl. ob ich je sonst mit dem Herren Diether Schlagnitweit in Geschäftsverbindung gestanden; die dreihundert Goldgulden aber, so man bei mir gefunden, sind auf ehrliche und gesetzmäßige Weise verdient." Ephraim Reubl setzte sich nach diesen Worten erschöpft nieder. Das Volk schien gerührt von dem ernsten, wehmüthigen Tone, in welchem er gesprochen und der Stadtrichter forderte den Studiosen Thomas Breitner aus, vorzutreten und sein Zeugniß zu geben. Dieser that cs und bestättigte, daß Diether Schlagnitweit erst am verwichenen Festtage den Juden kennen gelernt habe, bei Gelegenheit eines Scherzes, den sie sich in übermüthiger Weinlaune erlaubt hätten; seines Wissens sei Diether nie zuvor mit dem Juden in einer Verbindung gestanden, auch habe es dem Studiosen nie an Geld gefehlt. Diether warf bei diesen Worten seinem Freunde cineit grimmigen Blick zu, aber dankbar ruhten die Augen Ephraims auf dem jungen Manne, der so offen und ehrlich die Wahrheit sagte. „Seid Ihr noch immer entschlossen Eure Aussage mit Eurern Ehrenworte zu bekräftigen," fragte der Stadtrlchter. „Ich bin's," versetzte Diether. „Nun wurde der Knecht Hanns Gundelfinger vorgerufen; es war derselbe Knecht, den der alte Schlagnitweit seinem Sohne entgcgengeschickt batte; er war leibeigen und leistete dumpf seine Aussage, welche mit jener Diethers auf das Vollkommenste übereinstimmte. „Könnt Ihr Euch airsweisen," fragte der Stadtrichter den Juden, auf waö für Weife Ihr jene dreihundert Goldgulden eingenommen habt, die man bei Eilch gefunden und welche Herr Diether Schlagnitweir für die seinen erklärt." Ephraim senkte das Haupt, und versetzte: „Das kann ich nicht Ew. Gestrengen, aber ich bin unschuldig." Das Volk zischte, der Staotrichter aber warf ihm einen ernsten Blick zu und sprach: „Das, was Herr Thomas Breitner zu deinen Gunsten gesprochen, ist durch diese Weigerung entkräftet. Wir halten dick md) unserer besten Ueberzeugung für schuldig. Ihr Herren Beisitzer, ich verdamme den Juden Ephraim Neubl wegen Wucher zum Verlust seiner gesammten Habe, und