Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 254)
- Language
- German
- Belongs to
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Ephraim Neu bl. löS zur Auswanderllltg seiner Familie aus dem Stadtgebiete; er selbst aber soll wegen Betrug mit Verlust der rechten Hand gestraft werden und öffentlicher Ausstellung am Pranger. So Ihr noch etwas einzuwenden habt, so thut es, edle und wohlmögende Herren, von Rechts wegen. Diether SchlagnitweiL warf einen triumphirenden Blick auf den Juden, der vernichtet auf die Kniee sank und jammernd rief: „Uebt Barmherzigkeit Ihr Herren; ich schwöre beim allerbarmenden Gotte, daß ich unschuldig; bedenkt doch, so Ihr mir nehmet Haus und Hof und mein Weib, das siecht auf dem Krankenbette, und meine unmündigen Kinder hinausstoßt ins Elend, so müssen sie verkommen in Kälte und Schnee; wer soll sie führen und leiten; wer soll sie nähren, so Ihr dem Erzeuger die rechte Hand nehmt? O mein Weib, meine Kinder! Ihr werdet umkommen in Verzweiflung und den Raben und Wölfen zur Speise werden. Uebt Barmherzig Ihr Herren; wenn Ihr hofft, daß Euch Gott einst barmherzig sein soll; denn ich bin unschuldig. “ Und mit den Händen bedeckte Ephraim sein Gesicht und zerraufte sich den Bart; aber urplötzlich bekam die Sache eine -andere Wendung. Einer von den Rathsherren erhob sich plötzlich; es war Erasmus Schlagnitweit, Diethers Vater, der in der ganzen Stadt gekannte und geachtete Altbürger und Kaufherr beim goldenen Anker auf der Schranne. Die hohe stattliche Gestalt in der dunkelsammt'nen Staatsherrntrachr mit der goldenen Kette um den Hals, hatte etwas Majestätisches, sein Auge blickte finster nach dem Sohne und die linke Hand nach einer alten Gewohnheit über den Bart streichelnd, der ihm bis auf die Brust herabreichte, die rechte gebietend vorgestreckt, sagte er mit fester Stimme zum Stadtrichter: „Erlaubet Ew. Gestrengen, ich halte den Juden für unschuldig." Ueberrascht sah der Richter den Rathsherrn an, das Volk zischelte, denn es fand es sonderbar, daß der Vater gegen seinen Sohn auftrat; der Jude aber hob die Hände gegen den Himmel und rief: „So segne Euch der Gott Abrahams, für das, was Ihr an mir thut, bis in's tausendste Glied." Ohne auf des Juden Worte zu achten fuhr ErasmuS 8**