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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1845-01-01 · 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845) · p. Seite 183

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 183 (sequence 252)
Language
German
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IRI
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Ephraim Reubl. 183 Ephraim erhob sich von seiner Bank; seine sonst so hohe und edle Gestalt war demüthig gebogen, seine Hände bittend gefaltet und das dunkle Auge richtete sich mit schmerzlichem Vorwurfe nach der: Richtern. Er fühlte es in der tiefsten Brust, daß er das Opfer eines schändlichen Planes war, und kannte den mächtigen Einfluß und die Rachsucht der Geschlechter, wie man die adeligen Bürger hieß, zu gut, um nicht zu wissen, daß ihnen auch das Aeußerste zuzutrauen sei. Nichts destoweniger faßte er im Vertrauen aus seine gerechte Sache wieder Muth; denn die Richter, die vor ihm saßen, hatten weiße Haare und die meisten waren ihm als redliche wackere Männer bekannt. Darum wollte er ihnen seine Sache recht eindringlich an's Herz legen und mit leisem, wehmüthigem Tone tief gebeugt vor dem Tribunal, begann er also zu sprechen.- Edle und ehrenfeste Herren! Als ich sage, der Herr Diether Schlagnitweit hat gesagt, was nicht wahr ist, und er nicht verantworten kann vor Gott und dem Menschen, so werdet ihr mich schelten, denn der Herr Schlagnitweit hat sein adeliges Wort gegeben, und ich bin ein schlechter Jud. Und doch ist dem also. Was sollte der sehr edle Herr verpfänden einen Schmuck, da er doch hat so manchen Ohm, so manche Muhme mit viel goldnen Byzantinern, die ihm gerne helfen würden, so er sich befände in einer Verlegenheit. Ich habe den Herrn Diether Schlagnitweit nie gekannt, bin nie in sein Haus gekommen, habe auch sonst wenig Geld auf Pfandschaft geliehen und nur zu gesetzmäßigen Zinsen; warum ist seine Wahl gerade auf mich gefallen? Ich sah den Herren zum ersten Male, als er am verwichenen Festtage mit dem Herrn Thomas Breitnev mein Haus geschädigt durch unehrbares Betragen gegen mein Kind; vor und nach dieser Zeit habe ich ihn nicht geschaut; dev Knecht war nicht zweimal, sondern ein einzig. Mal in Nußdorf; er verlangte von mir einen Schmuck zurück; Gotteswunder, wie habe ich gestaunt und Zetter gerufen bei der falschen Forderung. Daß der Schmuck sich nicht vorfand ist ein klar und deutlich Zeugniß meiner Unschuld und ich fordere Euch, edle und ehrenfeste Herren, nochmal auf, mein ganzes Haus wohl untersuchen zu lassen; jetzt aber verlange ich, daß der Herr Thomas Breitner, der hohen und erlauchten Universität Mitglied, gefragt werde.

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