Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 251)
- Language
- German
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182 Ephraim Neu bl. bärger und Mitglied der hohen erleuchteten Universität, in einer augenblicklichen Verlegenheit von dem Eigenjuden Ephraim Reubel zu Nußdorf, dreihundert Goldgulden geborgt, dafür unmäßige Zinsen bezahlt und den köstlichen Schmuck seiner Schwester, sammt daran hastenden Perlen und Edelgesteine zum Pfände gesetzt. Nach wenig Wochen aber sei der Herr Studiosus schon im Stande gewesen, die Schuld heimzuzahlen und habe deshalb seinen Knecht Hanns Gundelfinger abgeschickt, um diesbesagte 300 Goldgulden an dem Juden Ephraim Reubl nach Nußdors zu bringen. Dieselben seien in einem leinenen Säckel gewesen und da der Junker sich vor dem Knechte nicht bloßstellen wollte, so habe er ihm aufgetragen, von dem Juden nur das Bewußte zu verlangen; der Jude habe die drei hundert Gulden im leinenen Säckel angenommen, und dem Knechte Hanns Gundelfinger auf sein Begehr nach dem Bewußten einen goldnen Ring von eines Goldguldens Werth übergeben; mit diesem sei der Knecht nach Hause gekehrt zu seinem nicht wenig überraschtenHerrn, welcher sogleich denselben von neuem gegen Nußdorf gesendet, den Schmuck der Schwester zu fordern. Da aber der Jude sich unwissend gestellt und den Schmuck empfangen zu haben geläugnet, außerdem auch ein groß Gezetter angehoben, so habe der sehr edle Herr Diether Schlagnitweit die Anklage beim Rathe gemacht und die Aussage mit seinem adeligen Worte bestättigt. Daraufhin habe man die Stadtknechte gegen Nußdorf gesendet um das Haus zu untersuchen und den Juden zu verhaften; habe auch die drei hundert Goldgulden in einem lemenen Säckel gesunden, aber von dem Schmucke nirgend die geringste Spur entdeckt; da die ganze Angabe aber durch des Herren Diether Schlagnitweit adelig Ritterwort bestättigt sei, so müsse der Jude trotz seines Leugnens, wegen Wucher und Betrug verurtheilt werden. Der Schreiber des Gerichtes setzte sich und das Volk, welches schweigend zugehört hatte, brach bei den letzten Worten in lautes Gejohle aus. Der Stadtrichter aber befahl dem Grieswärtel Schweigen zu gebieten, und fragte hierausden Juden, was er zu seiner Verteidigung zu sagen habe.