Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 246)
- Language
- German
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Ephraim Reu bl. 177 meiner Schwester, Sie hat keine Zeit und muß die Mutter warten." „Du willst uns doch nicht wehren einzutreten," zürnte der Schlagnitweit, „willst du aus dem Wege, Balg," und mit kräftiger Hand packte er den bestürzten Jungen, und schleuderte ihn zur Seite. „Nun, das.ist ein gesegneter Eingang," lachte Breitner, mußt du schon an der .Thür Händel ansangen, du heilloser Raufbold; willst die Schwester küssen, unt> schlägst oen Brno er, das machst du klug. Und er wandte sich freundlich lachend zu denr Knaben und rief: „He mein Junge, was fällt dir ein, zu heilten. Der Herr da hat's so böse nicht gemeint; oder glaubst du vielleicht, daß er der Knecht Ruprecht ist, und deine Schwester mitnehmen will." Nachdem Thomas so nach seiner Meinung den Knaben getröstet, folgte er feinem vorausgegangenen Gefährten und trat in die Stnbe. Obwohl armselig, war Die Stube dennoch nicht ohne einigen Gegenständen, die aus eine gewiße Wohlhabenheit des Eigners schließen ließen, und obwohl es bereits dunkler ward, und der Abend durch die Hornsenster nur trübes Licht hereinwarf, so sah man doch an der Wand manch schmuckes Gerärhe blinken, ein Zeichen von deS Hausherrn reger Thätigkeit im Handel. Aber der schönste Schmuck der Stube war die liebliche Jungfrau, die am Tische stehend aus allerlei heilsamen Kräutern einen Saft bereitete, zur Stärkung für die krank liegende Mutter. Regina mochte kaum über fünfzehn Jahre zählen, nichts desto weniger prangte sie, wie dieß häufig der Fall bei des Orients frühreifen Jungfrauen, mit vollendeten Reifen; das edle, bleiche Antlitz mit den mild schmachtenden Augen, wuroe umfangen von der Haare dunklem Lockengeflechte; von dem Nacken bis zur feinen weißen Harro war alles Schönheit und Grazie. „Sei uns gegrüßt Wunderblume des Morgenlandes!" rief Breitner, dem es nicht an jeneur poetischen Sinne fehlte, derben fahrenden Schülern des Mittelalters eigen war. Die Jungfrau erröthete tief, und versetzte ein Tuch umwerfend: „Seid bedankt Ihr Herren, doch weist ich nicht, was