Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 198)
- Language
- German
- Belongs to
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Das hohe Lied. 129 Hölle ist, — gilt mehr als Habe und Gold. Nicht käuflich ist sie; von selbst muß sie kommen. So laß mich denn an Deinem Herzen, in Deinen Armen ruhn." — So erreicht dies Idyll nicht blos äußerlich in dem Hoch- Zeitszuge , sondern auch innerlich in dieser herrlichen Apotheose der Liebe, in des Mädchens Selbstbewußtsein von ihrem und ihrer Liebe Werth einen Gipfelpunkt und Abschluß, Und nun kein Wort mehr über das Ganze, das, obgleich vielfach verkannt und mißdeutet, dem unbefangenen Blick sich gewiß klar und anschaulich darstellt. — Einzelne Schilderungen fordern den bildenden Künstler gleichsam zur Darstellung auf, und es wäre schön, wenn die zarten, duftigen Gestalten dieses Lieds der Lieder, von Künstlerhand festgehalten, auch dem Auge in gefälligen Gruppen sich darstellten. Ich glaube, ich habe Ihnen schon einmal darüber geschrieben. Wie war's, wenn Sie unfern Wilhelm dazu aufforoerten?- Fünfter Brief. Der Erfolg hat meine Erwartungen übertroffen; ich habe rrotz meiner Begeisterung durch und für das kleine Idyll doch nicht geglaubt, daß es auch auf sie den Einfluß haben würde, den es auf mich gehabt. Aeußerungen, wie die Göthe's über das hohe Lied, das er als das Zarteste und Unnachahmlichste, was uns als Ausdruck leidenschaftlicher, anmuthiger Liebe zuge- Lommen, freilich sehr hoch stellt, können auch ein festes Urtheil etwas wankend machen. Er beklagt nämlich, daß ihm die fragmentarisch durch einander geworfenen, übereinander geschobenen Gedichte keinen vollen reinen Genuß gewahren, obgleich er entzückt sei, sich in jene Zustande hineinzuahnen. Durch und durch wehe eine milde Luft des lieblichsten Bezirks von Canaan; ländlich - trauliche Verhältnisse, Weingarten- und Gewürzbau, etwas von städtischer Beschränkung; sodann aber ein königlicher Hof mit seinen Herrlichkeiten im Hintergründe. Das Hauptthema jedoch bleibe glühende Neigung jugendlicher Herzen, die sich suchen, finden, abstoßen, anziehen, unter mancherlei höchst einfachen Zuständen. Er habe mehrmals daran gedacht, aus dieser lieblichen Verwirrung einiges herauszuheben, an einander zu reihen; aber gerade das Rathselhaft-Unauflösliche gebe den wenigen Blättern Anmuth und Eigenthümlichkeit. Wohldenkende, ordnungsliebende Geister seien oft angelockt worden, irgend einen verständigen Zusammenhang zu finden oder hineinzulegen; aber einem Folgenden bleibe immer dieselbe Arbeit. — Ob nicht nun auch, nachdem ich das hohe Lied als Ganzes