Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 197)
- Language
- German
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428 Das hohe Lied. funden. Aber daß nun der König nicht allein, daß er mit seinen Edlen in prächtigem Aufzug angefahren kam, auf den wir freilich durch den balladenartrgen Anfang dieses Liedes vorbereitet sind, daß Zions Tochter ihr entgegenwallen, um sie zu schauen und cinzuholen, davon ahnte sie nichts, das konnte ihre Seele nicht vermuthen. Und als nun Salomo die erschrocken Ueberraschte zu sich in den Wagen gehoben, — verbarg sie verschämt ihr Gesicht vor den Begleitern. „Kehre Dich um," rufen sie ihr darum zu, „laß uns dein Antlitz sehen!" — Aber die Verschämte sucht sich dem Anblick zu entziehen. Sie sei ja keine Bajadere, Aller Augen sich Preis zu geben, entgegnete sie, sich halb umkehrend. Des Königs Gefährten, die sie dabei von der Seite gesehen, beginnen dann zu singen ihr, der Fürstlichen, Lob; denn sie strahlt in fürstlicher Schöne und sie enden damit, ihre Locken ein Netz zu nennen, in das ein König sich gefangen, so des Liebenden Wurde klar aussprechend. Dieser aber zieht sie an sich; sein eigen müsse sie werden, sein eigen der valmengleiche Wuchs, die traubensüße Brust, der wie Aepfell lieblich duftende Odem und ihr Mund — labend wie Wein. In seinem Arm, unter seinen Küssen fängt sie an, zu entschlummern, die Umgebung in Liebeseligkeit vergessend. — „Der Wein meines Mundes sagt sie, „fließt über von meinen entschlummernden Lippen zu dem Geliebten, deß' eigen ich bin und dessen Kuß über mir ruht. Ihr gegenwärtig stellt sich der Ort dar, wo sie ihn hatte treffen, sich ihm hatte hingeben wollen und — Alles um sich vergessend: — fordert sie ihn fast mit den Morten des 30. Verses auf, dahin zu kommen. Ländlich solle er niit ihr aufs Land eilen, wo Alles zur Liebe auffordere, wo sie süße Früchte ihm aufbewahrt. Ja, gäbe Gott, fährt sie fort, du warst mein Bruder, daß ich Dich frei vor allen Leuten Herzen und küssen dürfte. Und in ihreni Geist vermischt sich Gedachtes und Gegenwart und so entschlummert sie in seinen Armen in der Lage, die sie am Ende des ersten Liedes ersehnt fl. v. 99). — Lasset sie schlummern, bis sie von selbst erwacht!" — ruft der über sie hingebeugte König den Gefährtinnen beschwörend zu.-Da weckt sie das sie empfangende Lied der ihnen von der Konigsburg herab entgegengewallten Zionstöchter (siehe v. 22): „Wer ist sie, die an des Königs Armen, an feinem Busen hangend heraufkömmt?"— „Es ist die ländlich Geborene," entgegnet der König. Und nun vollendet sich die Entwicklung der liebenden Jungfrau; des Werthes ihrer Liebe sich bewußt, ruft sie: „Laß mich, als ein Siegel, an Deinem Herzen in Deinen Armen ruhn! bin ich ländlich geboren: — ich liebe, und die Liebe, diese stärkste Macht, diese unauslöschliche Gluth, deren Eifern fest wie die