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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1845-01-01 · 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845) · p. Seite 127

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 127 (sequence 196)
Language
German
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Das hohe Lied. 127 nicht gekannt. Unbesorgt um ihre Schönheit hatte sie bis dahin den Weinberg ihrer Bruder gehütet; aber nun sich ihre Blüthe entfaltet, gilt all' ihre Sorge dem Geliebten; nun wird sie mit einem Mal sich ihrer Lieblichkeit bewußt (I. v. 21). Doch dem Geliebten sich hinzugeben, daran hindert sie ihr jungfräulich-verschämtes Wesen, ihre reine Blumennatur (1. v. 80 >. Aber, nun er fort ist, quält Sehnsucht und Liebespein sie. In des Geliebten Armen, von seiner Liebe als Banner überschwebt, zu liegen, wünscht sie, und in solche. Liebesgedanken und Liebesträume vertieft, entschlummert sie. Und ihr Träumen, Sehnen und Hoffen wird erfüllt; des Geliebten Stimme erweckt sie, sein süßes Lockwort ruft sie hinaus in die, nach des Winters Scheiden erwachte Natur an einen heimlich stillen und lieben Övt zum Küssen und Kosen. Noch schämt sie sich vor den Gespielinnen v. 52 ff.) und verweist ihn auf den Abend. Und des Abends finden sie sich, und unter Küssen und Kosen, unter Scherzen und Herzen gibt sie sich^ ihm hin. Aber der Genuß, in dem Beide sich selig fühlen, schafft keine Befriedigung, facht vielmehr die innere tiefe Sehnsucht erst recht an.-So fleht er im Hl. Lied des Nachts an der Thür der Geliebten um Einlaß. Sie antwortete im Halbschlaf nicht gerade verneinend, ooch so daß er sich selbst zu öffnen sucht. Als sie nun aufgesprungen, doch liebesverwirrt hingesunken und endlich sich enifrasfend und öffnend, ihn nicht gefunden, da vergißt sie ihn suchend, aller früheren Verschämtheit. Umsonst scheuchen die Wächter sie; sie selbst wendet sich nun an die Gespielinnen mit der Bitte, ihr den Geliebten zu suchen. Und als endlich die Beiden sich fanden, — da ist sie sein und er ist ihr, der unter Rosen weidet fllk, v; 100). Und er singt wieder ihr Lob und das Ende des dritten Liedes deutet schon auf das vierte, das Schlußlied und den Gipfelpunkt des Ganzen. Die sechzig Fürstinnen, die achtzig Frauen, die zahllosen Mägdlein sind ihm nichts gegen Sulamith; Alle dienen nur zur Verherrlichung der Einen, Alle sollen, wenn sie, wie die Sonne im Osten, emporsteigt, staunend ihr Lob singen. — Und nun im Schlußlied steigt sie empor in ihrer Schönheit. Aber, wie der Dichter, was Sie schon im ersten Liede bewundert, mit höchster Kunst die Liebe des ländlichen Mädchens zum König ganz rein, nur Liebe, frei von allen unlautern Motiven gezeichnet, wie er diese sich immer, bis zur glühendsten Hingebung steigernde Liebe ganz rein als Liebe bewahrt: — so strahlt uns Sulamiths Liebe in diesem Schlußlied in höchster Reinheit entgegen. Hingeben wollte sich Sulamith dem Geliebten; dazu hatte sie sich verabredeter Maßen rm ländlichen Garten einge-

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