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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1845-01-01 · 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845) · p. Seite 116

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 116 (sequence 185)
Language
German
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116 Das hohe Lied der, einer prosaischen Glosse zufolge, die in das Lied eingeschoben worden*), den Weinberg gemiethet, sein Gold behalten und sich Hüter des Gartens dingen. Ihr liege jetzt die Sorge für den eigenen^ Weinberg ob, — sich für den Geliebten zu schmücken. — ^)o spricht sie von Salomo; denn sie kennt den Geliebten nicht, halt ihn für einen Hirten und fragt ihn deshalb (v. 41) nach feinem Zelte. Er aber benimmt ihr ihren Jrrrhum: ein Hirte sei ihrer nicht werth, die königlich prange. -— Und wenn sie jetzt auch jubelnd ausruft (v. 65), daß ihr Liebreiz bis zum König gedrungen, — so fragte sie doch damals den Geliebten nicht nach seinem Stande, sondern kos'te mit ihm in süßem Liebesgesprach. Ein Myrrhenstrauß sei er, eine würzige Kophartraube aus Engedrs Palmenhain. Sie fragen nach einer Erklärung dieses Ausdrucks: möge Ihnen der unvergleichliche Herder statt meiner antworten. „Es ist bekannt/' sagt er, „daß der weibliche Palmbaum mit einem Büschel männlicher Blumen bestreut und belebt wird; oder man nimmt die männliche Blüthensprosse, ehe sie ausbricht und verhüllt sie in die kleinen Zweige der weiblichen Blume. In diesem Zustand heißt die Palmenblüthe Kopher, d. i. verhüllet: sie mußte noch unausgebrochen und voll des feinen, frischen, aromatischen Thaues sein, der die erste Frische der Datteln an Anmuth und Würze übertrifft. In der weiblichen Blume verhüllet, haucht er sie an mit Duft und Leben. Kann ein schöner Bild gefunden werden, das da sage: ohne Dich sind meine Blüthen leblos; Dein Athem ein zarter, junger, frischer Himmelsthau, macht Alles in mir lebendig mit neuen Kräften, Gefühlen, mit neuer Schöpfung?" — Ein so zartes Lob erwiederte er; doch da er sie in eine Laube ziehen wollte, (v. 77), wo der Raken ein Bette, Bäume des Hauses Säulen, und ihre Krone das Dach bilden, — wies sie verschämt auf ihre Reinheit hin, sich eine Lilie, eine Rose nennend. — Daran knüpfte er ihr Lob, dem sie das seinige entgegenstellte. -Und sie bricht plötzlich ab in der Erinnerung; ihre Sehnsucht nach ihm ist zu groß, sie fühlt sich liebeskrank; drum fordert sie Labung und all ihr Sehnen drangt sich in den Wunsch zusammen, in seinen Armen zu liegen, überschwebt von seinem Banner, von Liebe. — Und in so süßes Denken vertieft, entschlummert sie. — Doch ich greife schon in das zweite Lied hinüber, das ich mir lieber auf einen zweiten Brief verspüre. Entschuldigen Sie die prosai- *) Salomo hatte einen Weinberq zu Bal-haman; diesen ubergab er Hütern; daß jeglicher ihm tausend Silberlinge für die Früchte bringe. Kap. 8, 11.

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