Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 152)
- Language
- German
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Eine alte Stimme. 81 Und haben sie einem verdienstvollen Manne, der sechsmahl sechs Jahre bei ihnen gedient, und dem ihre Narrheiten die Ohren durchbohren, endlich ein Stück Brod bewilligt, das ihre Junker unter den Lisch werfen, so ist Alles zu wenig, was er ihnen thun muß und jeder Bube ist sein Richter.. Ich höre meine Brüder oft klagen, daß sie unverdient zurückgesetzt werden. „Euch, erwiederte ich dann, geschieht nach Eueren: Thun. Wie feiten ehret Ihr Euch unter einander, und wie oft wird der jüdische Weise aus Euern Kreisen verbannt, die nur den Gecken und den Betitelten offen stehen. Habe ich doch in Andalusien reiche Juden gekannt, in deren Häusern nie ein Glaubensgenosse gesehen wurde, den nicht sein Gold geadelt; Mönche, Imams und Beamte, Tanzmeistcr, Hoflieferanten und Spaßmacher, Inhaber von Menagerien und Liebhaber und Tellerlecker aller Farben und Nationen — aber kein jüdischer Gelehrter, kein Autor, kein Lehrer aus Israels altem Adel. Ja man scheuet sich nicht irr Eueren Häusern das Jüdische zu verhöhnen und zu verleugnen und gewahrt nicht, daß alles Menschliche, alles Sittliche solchem Hause den Rücken kehrt." Das -Nachäffen der herrschender: Kirche war vornehmlich in Majorca auf einen unglaublichen Grad gestiegen. Vor den christlichen Knechten durfte in vieler: Häusern das Wort Judo gar nicht erwähnt werden. Man gewöhnte die Kinder in den ersten Jahren schon an Sitter: der Landesbewohner, die sie die ihrigen ganz vergessen machten. Nicht an Purim, wie die Schrift und die väterliche Gewohnheit lehrten, sondern an Weihnachten wurden Kinder und Erwachsene beschenkt; an Ostern lud man Gäste ein und aß köstliche Speisen, aber an dem Tage, der Israel frei gemacht von menschlicher Knechtschaft, sah es in den Zimmern aus wie an einem Werkja wie an einem Trauertage. Fast wurde ke:n Sabbath gehalten, wenigstens nicht fröhlich begangen. Das Gebet nach dem Mittagessen wurde unterbrochen, wenn eine christliche Bekanntschaft eintrat, und die Töchter reicher Häuser konnten nicht mehr hebräisch lesen. In der That ist von diesen Familien nichts übrig geblieben: In meiner Jugend schon war Alles römisch-katholisch.