Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 133)
- Language
- German
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Juden in Ungarn. 61 ging dem Synagogenbaue bald voran, bald folgte sie demselben nach. So gestaltete sich das Zisch uw zu einer Kehilla, das Aggregat von Individuen zu einem organischen Gemeinwesen, einer Gemeinde, deren Glieder durch gleichen Glauben, gleiche Weltanschauung und eben so sehr durch gleiche Behandlung von Außen und durch die Autonomie des Rabbinates und des Gemeindevorstandes — der aus den wohlhabendsten, bei der Obrigkeit den meisten Zutritt habenden Gemeindegliedern zusammengesetzt war — zusammengehalten wurden. Auf letztere Weise geschah in älterer und neuerer Zeit die 'Ansiedlung der Israeliten und die Bildung israelitischer Gemeinden im Königreiche Ungarn, was durch mancherlei Umstände mehr als anderswo begünstigt wurde. Denn ob auch die ungarische Legislatur früherer Jahrhunderte mitunter sehr drückende Ausschließungsgesetze in Betreff der Juden enthält; ob selbst der, die gegenwärtigen Rechtsverhältnisse der jüdischen Landeseinwohner ordnende n e 1t n u n d z w anzi g st e G e se tz a r t i k e l d e s vo r le tz te n N e i ch s t a g e s (1640) bei einzelnen dankeswerthen Koncessionen auch vom bescheidensten Standpunkte Vieles zw wünschen übrig läßt: so ist doch nicht zu verkennen, daß es auch an solchen Verhältnissen nicht fehlte, welche manchem auswärtigen, unter der Last drückender Beschränkungen seufzenden Jsraeliten die Niederlassung in dem gottgesegneten Lande der vier Ströme von einer nicht ungünstigen Seite erscheinen ließ. Hieraus erklärt es sich, daß die israelitische Bevölkerung in Ungar!:,, welche im Jahre 1787 auf 80,894, im Jahre 1785 auf 75,089 Seelen angegeben wurde, sich im Jahre 1805 auf 127,816 Seelen belief und im Jahre 1840 eine Seelenzahl von 244,035 betrug. Und wer bedenkt, daß seit der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhundertes keine, die ganze ungarisch-jüdische Bevölkerung betreffende Verfolgung stattfand; wer ferner berücksichtiget, daß die Einwanderung durch kein Gesetz gehindert wurde, den wird weniger dieser Fortschritt der Population, als die Seelenzahl von 1785 befremden. Es ist diese Erscheinung auch nur daraus zu erklären, daß in den, dem Mohncser Tage folgenden Zeiten bis zu!n Szatmärer Frieden die Parcheikämpfe im ungarischen Reiche und die Kriege mit den Osmanen nicht geeignet