Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 94)
- Language
- German
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20 Rückblick auf ein Israelit, iit Diesem Jahre verstarb, warv seine Bestattung von allen Klassen der Einwohnerschaft mit dem Zeichen der Theilnahme umgeben. — In P r euße u hat das Jahr 1844 wenigere hervorftechende Ereignisse mir sich gebracht. Daß die Volksmeinung gewiß nicht in Preußen den Juden feindlich ist, wie es so oft gehässig behauptet wird, dafür gab die jüngste Zeit neue Belege. In Berlin ist Benda;um Stadtrath erwählt worden, trotzdem er seine Bemühungen, die Oeffentlichkeit der Stadtverordnetensitzungen zu bewirken, unausgesetzt sortsetzr. In Breslau ist Dr. Geiger in den Vorstand des Vereins zur Unterstützung der schlefischen Spinner neben den höchsten Landesbehörden erwählt Von Königsberg wird die kräftige Mitwirkung der Juden bei allen öffentlichen Wohlthärigkeitsanstalten gerühmt. In Mag debürg ist ein junger Israelit, Mar, der Stadtverordneter ist, zum Mirdireetor der Sparkasse, zum Vorsteher des Schützen- Vereins re. gewählt. Als in Berlin sich ein Gesellenverein bildete, versuchte ein Geistlicher ihm den Eharaeter eines ״christlichen" zu geben. Allein da hierdurch die Juden ausgeschlossen worden, erhob sich die größte Mehrheit der Theilnehmer sofort dagegen. Von noch größerer Bedeutung ist das, was in diesem Augenblicke sich vorbereitet. Unsere Leser erinnern sich aus dem vorigen ״Rückblick," mit welchem außerordentlichen Eifer der Rheinische Landtag von 1843, sich der bürgerlichen Gleichstellung der Juden in Preußen annahm, und wie Se. Majestät der König im Landtagsabschiede auf ein in Abfassung begriffenes Gesetz verwies. Mit dem Anfang des Jahres 1845 sollten die Landtage der Preußischen Provinzen abermals eröffnet werden. Da haben die bedeutsamsten Städte des Königreichs die Initiative ergriffen, und in Petitionen an die resp. Landesstände auf völlige bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden angetragen. Die Städte Köln, Aachen, Bonn, Paderborn, Düsseldors, Bielefeld, Dortmund am Rhein sprachen sich im entschiedensten Sinne aus. Allein diesmal verblieb die Bewegung nicht bloß am Rhein; auch in den östlichen Provinzen des Reiches sprachen sich die städtischen Behörden in Vertretung der