Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-3184082--0893-3185003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 Rückblick auf scharfen Debatte, in der namentlich B esler sich dahin aussprach, daß eine Ausschließung der Juden von der Ehrenpflicht Der Wehrpflicht eben fo viel heiße, als diefelben für ehrlos erklären, und daß es einer christlichen Versammlung schlecht anstehen werde, die Juden auf solche Weise zu Parias zu stempeln. Er führte dann Beispiele von verschiedenen Juden an, die sich im Militair ausgezeichnet hätten, während der Pastor L o r e n z e n sich von seiner Abneigung gegen Judenemanzipation so weit Hinreißen ließ, daß er als einen Hauptgrund der Ausschließung der Juden ihre sprüchwörtlich gewordene Feigheit aufführte. Gegen Diese lächerliche Beschuldigung des liebevollen Pastors antworten Die Heere der größten und siegreichsten Mächte Europa's. — Auch in den Baden 'sch en Ständen wurde jüngst über mehrere Petitionen um Emanzipation zur Tagesordnung übergegangen. Eine außerordentliche Sensation machte es, als im Oktober des verflossenen Jahres der Nnterstützungsverein für israelitische Ackerbau- und Handwerkslebrlinge in Baiern die Listen der in diesem Königreiche Handwerk und Ackerbau betreibenden Israeliten veröffentlichte. Es fanden sich bereits 4813 Handwerker und 1216 dem Feldbau gewidmete Personen, Der fünfte Theil der jüdischen Bevölkerung; und das Verhältnis; würde sich noch günstiger Herausstellen, wenn nicht aus mehren Kreisen die Nachrichten noch gefehlt hätten, und es notorisch ist, Daß gerade viele jüdische Handwerker aus Baiern nach Amerika auswandern, weil sie durch das Matrikelgesetz in der ׳Niederlassung behindert werden. — Höchst erfreulich ist der Zustand in Würtemberg. Hier werden Lehrer-Besoldung wie alte übrigen Schulbedürsniffe aus der Kasse der politischen Gemeinde bestritten, wenn sechzig israelitische Familien im Orte wohnen. Wie auch andere Eonfessionen in gemischten Orten, nur in diesem Falle das Recht haben eigene Schüler: zu errichten und den Bedarf hierfür aus den Gemeindekassen anzusprechen. Für die Erbauung von Schulhäufern werden vom Staate sehr ansehnliche Summe!: als Beitrag bewilligt, so haben erst vor einigen Monaten mehre kleine Gemeinden, die nur Confessions - Schulden haben, ordentliche Beiträge erbalten, und die Gemeinde Buchau, Der erst vor zwei