Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 170)
- Language
- German
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J14 Nachm an Krochmal nur sich auf den Talmud beschränken sollten, fühlte Kroch mal sich von der Monatsschrift „Meaffef" angezogen, und machte zugleich die heimliche Bekanntschaft des Maimonidischen „More," eines Werkes, das bei den unwissenden Polnischen Juden eben so verketzert war als Mendelssohns Uebersetzung des Pentateuchs. In gleicher Weise zog das Deutsche ihn an: mit vielen Hindernissen kämpfend erwarb er sich endlich eine vertraute Kenntnis) der Sprache und ihrer Literatur. Wesentliche Dienste leistete ihm darin ein Vorsteher der jüdischen Lehranstalt in Zolkiev, Namens Neu, in dessen Bibliothek sich neben Mendelssohns Schriften auch viele andere aus der schönen Literatur jener Zeit befanden. Krochmal besaß einen Sinn für das Schöne, der ihn stets die besten Muster für die Ausbildung seines Geschmackes wählen ließ, — ein seltener Vorzug zu einer Zeit, wo selbst die Begabteren, unempfindlich für die Schönheit der Form, nur die Gedankenschärfe auszeichnete. Krochmal wandte seinen Fleiß auch der französischen Sprache und Literatur, ferner dem Lateinischen zu, ließ Mathematik und Naturwissenschaften nicht unbeachtet; aber den Mittelpunkt seines Denkens bildete die Speculation in der Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts, wobei Mendelssohn Führer war, und zwar wurde diese zunächst auf die ältere jüdische Literatur in Anwendung gebracht, deren Studium Krochmal seinen Fleiß hauptsächlich widmete. „Besonders, „heißt es in einer mir vorliegenden Skizze vonK r ochmal's Leben", war es die Literatur aus der Zeit der Maurischen Herrschaft, die sein Interesse in Anspruch nahm. Es läßt sich nicht bezweifeln, daß eben diese auch auf seine spätere philosophische Richtung, wie auch auf die Gestaltung seines hebräischen Stils einen nicht geringen Einfluß auSgeübt habe. Wenn einerseits der Aristotelische Tiefsinn es war, der ihn in den Schriften des Maimonides ansprach, so war es andrerseits die Platonische Ansicht, die er aus den Schriften des 'Aben Esra herauszufinden wußte, der er seine ganze Aufmerksamkeit widmete. Auch die Kabbala, auf deren Erlernung er Sorgfalt verwandt, hatte für ihn bloß tu der Ge-