Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 161)
- Language
- German
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104 lieber die Mißstimmung raume Zeit vor ihrem Erscheinen klopft dem frommen Juden alten Schlages das Herz bange in der Brust; denn sie führen seiner aufgeregten Einbildungskraft den gewaltigen König vor, der auf erhabenem Throne zu Gerichte sitzt. Voll Angst wegen seines Urrheilsspruchs sieht der Arme das Schwert der himmlischenJustiz über seinem Haupte schwebend, zittert er vor der Lodesart, die ihm etwa beschieden werden dürfte, und flehet, in Sterbekleidern gehüllt, zum Richter empor um Gnade, um Aufhebung und Vernichtung des zu strengen Urtheils. Aber diese Furcht leistet doch der Buße kräftigen Vorschub? MitNichten! glauben wir; sie hält Manchen während dieser gefürchteten Zeit von Genüßen und Handlungen zurück, die er sich sonst ohne besondere Aengstlichkeit erlaubt, oder rreibt ihn an Almosen zu spenden und andere äußere Werke der Frömmigkeit zu üben, wodurch eben die hehre Frucht der Bußtage (ימי תשובה) , fcte w ahre bleibende Besserung meistens verloren gehet. So vergehen die ersten zehn Tage des Jahres in Angst und Jammer, und häufig ohne hohem Gewinn. Es folgt das Huttenfest, das zum Dank für den Erntefegen auffordernd eine Zeit der Freude für uns ())זמן שמחת) ist, und im Gebete genannt wird; aber auch diese Freude ist von trübender Beimischung nicht frei. Nicht nur die Erinnerung an die verfallene Hütte Davids gibt der Liturgie Anlaß zu manchem Seufzer; sondern die Kabbalah hat sogar den siebenten Tag ,והושענה רבה zum Schlußtag des furchtbaren Gerichtes gemacht, und so gewißermaßen das ganze Succoth--Feft in das Gebiet der ימים נוראים hineingezogen. Der achte Festtag (שמיני עיירות) erhält seine düstere Färbung rheils von der Todtenfeier הזכרת נשמוה (nach polnischem Ritus) theils von der im Tone der schauerlichen Gerichtstage gehaltenen Litanei ,תפלת גשם). Sogar der Tag der Gesetzesfreude (שמתת תירה), wo es noch am Lustigsten hergehet, hat seinen Theil Melancholie von dem Tode des größten Propheten, des treuen Hirten, der seine Heerde so ungern verlassen. Das Peßach-Fest ist von der Sefirah-Trauer umflort,