Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 102)
- Language
- German
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41 das Jahr 1813. selben Lage, wie die Juden in Dresden und Leipzig den Christen gegenüber. Man hat dasselbe angeführt wie heute, nur daß man den Gegensatz der Christlichkeit nicht brauchen konnte. Das Interesse des Einzelnen, sagt man heut wie damals, müsse zwar der Gesammtheir untergeordnet werden, nicht auf einmal, sondern nach und nach, damit das Land sich daran gewöhne. Man hat zu Gunsten Einzelner damals ebenso wenig das langjährige Unrecht vergütet, indem man die Handwerke auf die Srädte beschränkte, und den Gewerbebetrieb auf dem Lande nicht freigab, als man jetzt aus denselben, wenn auch verborgenen Gründen den Juden die Menschenrechte vorenthält. Man sagt, die Juden hätten auf gesetzwidrige Weise das zu erlangen gesucht, was ihnen untersagt sei. Thun das die Christen nicht auch? Ich möchte fragen, ob das so selten ist, daß christliche Handwerker oder Handelsleute Etwas zu erlangen suchen, was ihnen nach dem Gesetze nicht zusteht. Ich frage aber ist das ein Wunder, daß der Jude das zu erlangen sucht, wovon seine Existenz einzig und allein abhängt? daß er lebe und sich nähre, darum handelt es sich, das ist eine Lebensfrage. Man sagt, man müsse auf die Ansichten und Vorurtheile des Volkes Rücksicht nehmen. Ja das thue man; aber nur dann, wenn diese Ansichten begründet sind. Vorurtheile, die im Volke wurzeln, also Ansichten, die nicht richtig sind — und solche nennt man nur Vorurtheile — muß man auszurotten suchen. Also Vorurtheile wurzeln im Volke gegen die Juden! Haben Sie doch die Güte, mir zu sagen, wo und wie sie eristiren? Ich weiß von ihnen nichts, und glaube, das Volk kennt sie auch nicht, und wenn sie existiren sollten, und man wollte fragen, was es denn eigentlich sei, wovor man sich fürchtet, so würde man sicherlich nicht wissen es zu sagen. Allerdings gewisse Klaffen wissen, wovor sie sich furchten; diese sind aber nicht das Volk. Es geht aber hier, wie bei vielen andern Dingen: man hat etwas halbes gemacht, und erwartet nun etwas Ganzes; wenn man Frankreich als Beleg angeführt hat, daß die Juden nicht auf der Stufe stunden, um sie zu emanzipiren, so ist hierüber schon 4