Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 101)
- Language
- German
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40 Rückblick auf denken Sie, daß der praktische Gesichtspunkt Berücksichtigung fordert und verdient." Und welcher ist dieser praktische Gesichtspunkt? Herr Meisel fahrt selbst fort: „Weit entfernt behaupten zu wollen, als hätte die jüdische Gemeinde im Allgemeinen von den ihr gestatteten Freiheiten bis jetzt Mißbrauch gemacht, da ich ihr im Gegentheil alle Gerechtigkeit wiederfahren lasse und überzeugt bin, daß sie ein Gleiches gegen mich beobachtet, so kann ich doch gegen Einzelne den Tadel nicht unterdrücken, in welchen gewiß ihre achtbarsten Glaubensgenossen einstimmen werden, daß jene nämlich ihr eigenes Interesse dadurch verletzen, daß sie auf gesetzwidrige Weise das ihrer christlichen Mitbürger beeinträchtigen." Hingegen sprachen Brockhaus, Schumann und von Mayer mit dem größten Feuer für die Gleichstellung namentlich für alle Punkte der Petition. Der letzte Redner in der allgemeinen Debatte war der Abg. v. Th ielau. Er widerlegte kurz und schlagend alle Einwürfe, die in der a. Deb. vorgekommen, und wir führen daher hier seine Rede vollständig an. „Die jetzige Debatte hat mir gezeigt, wie viel Gründe sich aufstellen lassen, um Etwas zu verweigern, was man nicht bewilligen will. Sie kommen alle darauf hinaus, daß man Jemanden, der zu Einem kommt und spricht: Ich bin durstig, gieb mir zu trinken, antwortet: Mein Freund, wie gern, aber Du bist warm und könntest Dir Schaden thun; oder es kommt ein Hungriger und bittet um Brod, und man sagt ihm: Mein Freund, wie gern, aber Du möchtest Dir, wenn Du jetzt äßest, den Magen verderben. Gründe lassen sich freilich immer auffinden, aber von allen der einzige Grund, welcher Etwas für sich hat, ist der, daß Dresden und Leipzig die einzigen Städte sind, welche Juden in ihren Mauern beherbergen. Alle andern Gründe haben für mich keinen Werth. Mich erinnert diese Debatte über die Emaneipation der Juden sehr lebhaft an die Debatten über das Recht, ein Handwerk oder Handel auf dem Lande zu treiben. In der That, das platte Land befand sich damals und befindet sich noch den Städten gegenüber in der-